Sense und Sichel
Die Schneidwirkung von Sense und Sichel ähneln sich.
Die Sichel war ehr in Gebrauch als die Sense und weil der kurze Griff an der Sichel ein schnelles, langfristig anstrengendes Schwingen erfordert, noch dazu gebückt, ist sie eigentlich nur für kleine Flächen attraktiv. Vor allem Roggen wurde mit der Sichel geerntet und dann lose auf den kniehohen, stehengebliebenen Halmen abgelegt. So konnte er gut durchlüftet trocknen bevor er aufgesammelt und zu Gaben gebunden wurde. Dafür nutzte man einen ca. 45cm langen, vorn angespitzten Stecken aus Apfel-, Birn- oder Zwetschgenbaum-Holz, den Bindenagel. Eine Kornsichel war im Vergleich zu einer Grassichel länglicher, schmaler und weniger gebogen.
Die Sense (Sans) ist nach wie vor im Einsatz in steilem Gelände und auf kleinen Flächen, dort hauptsächlich für Gras aber auch andere Pflanzen und Getreide (Hafer, Weizen, Gerste). Gerste wurde nie gebunden, nur lose in Reihen abgelegt und dann eingefahren. Für Getreide speziell gibt es die Korbsense, bestehend nicht nur aus dem armlangen Sensenblatt und Sensenbaum, sondern mit einem rechenartigen, aus Weidenruten bestehenden Korb, der dem Raffen der Halme zu Schwaden dient. Das Messer ist schräg nach oben gestellt und schneidet beim Schwingen halbkreisförmig über den Boden. Die Sense wird dabei vom Schnitter an den Handhaben geführt. Die Halme werden durch das Messer schräg abgeschnitten, anders als bei Mähmaschinen. Die Schneide des Sensenblattes muß durch Dengeln laufend scharf und glatt gehalten werden. Das geschieht mittags und abends während der längeren Pausen. Der Vorteil des Dengelns vor dem normalen Nachschleifen besteht in einer Kaltverformung der Klinge, bei der das Material härter und widerstandsfähiger wird und die Schneide länger scharf bleibt.
Gearbeitet wird dabei unter Dach auf dem Denglstock mit einem speziellen Denglhammer. Der Denglstock ist ein hölzerner Rundling oder Quader mit einer Kerbe für das Sitzbrett und dessen Fuß. Oben auf dem Rundling steckt ein kleiner, eiserner Einsteckamboss auf dem das Dengeln der Klinge stattfindet. Ein sog. "Standerling" erleichtert das Dengeln: eine Latte mit Fuß und unterschiedlich hoch eingeschlagenen Nägeln auf denen der lange Sensenbaum während des Schärfens ruht. Der Denglhammer ist auf beiden Seiten flach auslaufend und hat einen kürzeren Stil. Dengeln will gelernt sein, sonst büßt man das beim Sensen.
Ein Wetzstein diente dem Schärfen während der Arbeit. Er wird in der Kimpfe (dem Wetzsteinbehälter) am Gürtel mitgeführt. In der Kimpfe befindet sich immer etwas Wasser und gern auch ein bißchen Essig, damit der Wetzstein etwas rauher bleibt. Die Kimpfe besteht aus einem Kuhhorn, ist aus Erlenholz geschnitzt oder neuerdings auch aus Plastik gegossen. Das spitze untere Ende dient bei den Arbeitspausen zum Einstecken in den Boden, so verbleibt der Inhalt darin und wird nicht beim Sitzen verloren.