Sense und Sichel

Sense und Sichel

Beide Werkzeuge sind naturgemäß messerscharf, also bitte nie einfach im Gras ablegen!

Die Sichel war früher in Gebrauch als die Sense und weil der kurze Griff an der Sichel ein schnelles, langfristig anstrengendes Schwingen erfordert, noch dazu gebückt, ist sie eigentlich nur für kleine Flächen attraktiv. Vor allem Roggen wurde mit der Sichel geerntet und dann lose auf den kniehohen, stehengebliebenen Halmen abgelegt. Zu groß die Gefahr daß durch intensives Händeln die Körner ausfallen. So konnte er gut durchlüftet trocknen bevor er aufgesammelt und nach Hause gebracht wurde. Andere Getreide jedoch wurden nach dem Schneiden zu Gaben gebunden indem man einen ca. 45cm langen, vorn angespitzten Stecken aus Apfel-, Birn- oder Zwetschgenbaum-Holz, den Bindenagel, mit einem daran befestigten Schnürl nutzte. Eine Kornsichel war im Vergleich zu einer Grassichel länglicher, schmaler und weniger gebogen.

Die Sense (Sans) ist nach wie vor im Einsatz in steilem Gelände und auf kleinen Flächen, dort hauptsächlich für Gras aber auch andere Pflanzen und Getreide (Hafer, Weizen, Gerste). Für Getreide speziell gibt es die Korbsense, bestehend nicht nur aus dem armlangen Sensenblatt und dem Sensenbaum, sondern mit einem rechenartigen, aus Weidenruten bestehenden Korb, dem Reff, der zum Zusammenraffen der Halme zu Schwaden dient.

Die Länge des Sensenbaums und die Anbringung der Handhaben (Griffe) müssen auf die Körpergröße und Armlänge des Schnitters abgestimmt sein - und natürlich auf Rechts- oder Linkshändigjeit. Die Länge des Sensenblattes ist abhängig vom Schnittgut und Können des Schnitters: je grober das zu schneidende Material, desto kürzer das Blatt, je professioneller der Schnitter, desto länger das Blatt. Das Messer ist etwas schräg nach oben gestellt damit es nicht in der Erde steckenbleibt und schneidet beim Schwingen halbkreisförmig über den Boden. Die Sense wird dabei vom Schnitter an den Handhaben geführt. Die Halme werden durch das Messer schräg abgeschnitten, das ist anders als bei Mähmaschinen.

Die Schneide des Sensenblattes muß durch Dengeln laufend scharf und glatt gehalten werden. Das funktioniert bei billigen, industriell hergestellten, oft nur gegossenen Sensenblättern nicht wirklich gut. Gedengelt wird mittags und abends während der längeren Pausen und hat den Vorteil im Vergleich zu dem normalen Nachschleifen in einer Kaltverformung der Klinge, bei der das Material härter und widerstandsfähiger und die Schneide deswegen länger scharf bleibt.
Gearbeitet wird dabei unter Dach auf dem Dengelstock mit einem speziellen Dengelhammer. Der Dengelstock ist ein hölzerner Rundling oder Quader mit einer Kerbe für das Sitzbrett und dessen Fuß. Oben auf dem Rundling steckt ein kleiner, eiserner Einsteckamboss auf dem das Dengeln der Klinge stattfindet. Ein sog. "Standerling" erleichtert das Dengeln: eine Latte mit Fuß und unterschiedlich hoch eingeschlagenen Nägeln auf denen der lange Sensenbaum während des Schärfens ruht. Ein Dengelhammer ist auf beiden Seiten flach auslaufend und hat einen kürzeren Stil. Dengeln will gelernt sein, sonst büßt man das beim Sensen.

lange Sense

1,63m lange Sense mit 0,70m Sensenblatt

kurze Sense

1,42m kurze Sense mit 0,75m Sensenblatt

Ein Wetzstein diente dem Schärfen während der Arbeit. Er wird in der Kimpfe, auch Kumpf (dem Wetzsteinbehälter) am Gürtel mitgeführt. In der Kimpfe befindet sich immer etwas Wasser und gern auch ein bißchen Essig, damit der Wetzstein etwas rauher bleibt. Die Kimpfe besteht aus einem Kuhhorn, ist aus Erlenholz geschnitzt oder neuerdings auch aus Plastik gegossen. Das spitze untere Ende dient bei den Arbeitspausen zum Einstecken in den Boden, so verbleibt der Inhalt darin und wird nicht beim Sitzen ausgeleert.