Victory's Zeno

Nun laßt mich doch auch mal was sagen!

Victory's Zeno, noch keine 10 Minuten alt

Ich, der Zeno, bin der kleine Bruder von der Hanna; das meiste hat sie schon erklärt. So find ich die Arbeitsteilung ganz brauchbar, spart mir viel Energie. Obwohl ich 5 Tage jünger bin, stehe ich trotzdem meinen Mann: damit man nicht merkt daß ich unsicher bin, stell ich mich vorsichtshalber schon mal in Breitseite auf, wenn jemand kommt. Ich probier auch immer was die Neuen machen, wenn ich einen Ausfallschritt auf sie zu mache und mit meinen Hörnern wackle: das ist toll, wenn selbst die stärksten Männer einen Schritt zurückweichen. Ich krieg dann immer einen Rüffel von der Chefkuh und den Männern sagt sie: "Schon verloren bei der Rangordnung!" aber Spaß macht mir das trotzdem. Hab ich vom Charly gelernt.

kurz bevor wir ins Zengermoos umziehen

Mit meinen großen, dunklen Kulleraugen paß ich voll ins Kindchenschema und das wird weidlich ausgenutzt! Am besten finde ich, wenn mir jemand den Hals kratzt, da jucken die verd%$§"&! Stiche der Stallfliege. Ich zeig auch jedem der uns führt wann er nicht aufpaßt, dann geh ich gnadenlos vom Weg ab, dabei ist die Hanna eine große Hilfe! Ich hab sofort heraus wenn der Weidezaun ohne Strom ist, das bessere Gras ist immer auf der anderen Seite. Auch Halfter ausziehen ist keine große Kunst, ich mach mit den Klauenspitzen vom Hinterbein einfach die Schnalle auf; jetzt muß ich nur noch üben, wie ich das doofe Ding wieder anzieh, die Chefin muß sonst immer die ganze Weide danach absuchen. Nein, wo denkt Ihr hin? Selbstverständlich verrate ich ihr nicht wo es liegt! Und abends, wenn es nach Hause geht, muß man schaun daß man möglichst zuerst am Tor ist, dann kann man sich schon mal den Bauch mit Karotten vollschlagen, bevor die anderen kommen!

Ach, übrigens: das Victory in meinem Namen kommt von meinem Vater Victory Lap, der wohnt auch in Ohio auf der DCCI-Ranch. Ich finde der schaut ganz schön stark aus! Weil die Hanna und ich Vollgeschwister sind, haben wir die selben Eltern. Und wir sind die Marsh Mellow Longhorns!

Wir sollen lernen wie von hinten gesteuert wird

September 2012: Wir sollen lernen wie von hinten gesteuert wird, oh Mann, ist das schwierig. Allein kann es jeder von uns schon lang, das ist ja einfach; aber zusammen - oh weh ...
Erst hat die Chefkuh schon eine Weile verschiedene Systeme ausprobiert bis wir ihr gesagt haben, wir kriegen vorn in etwa mit was sie hinten will. Dann hat meine schlaue Schwester, die Hanna beschlossen, sie läuft immer nach links zu mir rüber, egal was für ein Kommando kommt; natürlich bin ich Kavalier und geh ihr aus dem Weg; das hat leider zur Folge, daß wir im Gebüsch landen oder mit dem Joch an einem dicken Baum hängenbleiben. Es ist auch ganz schön kompliziert immer drauf achten zu müssen, daß wir auf gleicher Höhe sind - bloß in den Kurven nicht. Aber die Chefkuh gibt nicht auf, sie sagt wir packen das schon - früher oder später.

2012 lebende Krippe in Moosburg und unser Mentor, dem folge ich aufs Wort

Dezember 2012: Bin ich fertig, nee so was. Ich durfte in der lebenden Krippe in Moosburg den Ochsen spielen, und ausgerechnet da wird die Hanna stierig. So was blödes; die ganze Nacht mit ihr Party gefeiert bis in die Puppen - wir waren beide morgens verschwitzt und unsere Box völlig umgeackert - und dann nach Moosburg, die vielen strahlenden Kinderaugen ... ich sag's Euch, ich war so kaputt, ich hab mich glatt hingelegt zum Schlafen mitten da zwischen der Weihnachtsmusik, dem Esel und all den Leuten.

Oktober 2013, mit dem Vogelschutzbund Freising auf der Burgerwiesn

Bevor ich drauf vergeß: im Oktober 2014 sollte ich helfen mit dem Vogelschutzbund aus Freising auf der Burgerwiesn das dort geschnittene Gras/Heu abzufahren. Weil es dort u.a. Lungenenzian hat (und den darauf angewiesenen Ameisenbläuling), wird nur ein mal im Jahr im Herbst das Gras gemäht und von der Fläche abtransportiert. Die Leute haben das bislang alles mit der Hand gemacht, was nicht wenig Arbeit ist, und die Überlegung war, ob ich da helfen könnte. Kann ich, bloß waren wir viel zu spät dran. Bis wir eingetroffen sind, war schon alles fertig und ich konnte nur mit einer letzten Fuhre zeigen, wie ich ihnen helfen würde. Dann hab ich mir mit der Chefkuh zusammen noch die Wiese angesehen, weil es da z.T. tiefe, nasse Stellen gibt wo man nicht stehenbleiben darf, sonst sinkt man ein im Moorboden. Ich hab mir das schon mal für nächstes Jahr gemerkt.

Ich glaub ich muß mal wieder ein bißchen erzählen. Es ist mittlerweile Februar 2014. Das mit Gammelsdorf und der Schlacht letzten Sommer hat Euch die Hanna erzählt. Als ich im Dezember 2013 für eine Fahrt zur Wartenberger Waldweihnacht wie immer in den Anhänger einsteigen wollte bin ich rechts und links mit meinen Hörnern angestoßen und hängen geblieben, da habe ich ziemlich verdutzt geschaut. Das ist 1,65m! Und noch etwas fürchterliches ist passiert: Vorgestern nacht lag die Hanna mit Bauchweh im Stroh und grad als ich um Hilfe rufen wollte war da plötzlich ein kohlrabenschwarzes, kleines, nasses Etwas. Nachdem man ja nicht wissen kann ob es beißt oder tritt hab ich es vorsichtshalber rumgeschubst. Das hat es nicht wirklich beeindruckt, schlimmer noch, plötzlich geht die Hanna auf mich los. Weiber ... Jetzt bin ich ganz durcheinander und geknickt, weil die Zweibeiner haben mich in den Pferdestall ausquartiert, da bin ich ganz allein unter lauter Pferden. Da macht selbst tagsüber trotz Frühlingswetter der Koppelgang keinen Spaß, so ganz allein. Ich hab schon gemuht und gemuht aber irgendwie hilft das diesmal nicht. Das schwarze Etwas ist immer noch da, ich seh es jedesmal wenn ich an der Box vorbei geh.

Zeno Juni 2014

Mittlerweile ist Juni 2014. Das schwarze Etwas hat sich zu einem vorlauten Gör namens Hedda entwickelt. Angst hat die vor nichts, selbst mit mir traut sie sich herumblödeln. Wer hätte das gedacht ... Ihre Mama, die Hanna, nimmt es mir allerdings immer noch übel und wenn ich nicht aufpass rempelt sie mich mächtig an. Die kennt keine Regeln beim Kämpfen und taucht einfach unter meinen Hörnern weg und schiebt mich dann von der Seite. Das steht in keinem Regelbuch so drin. Gemein!
Dafür werde ich grad größer wie sie, hab richtig einen Hals zum Arbeiten und Schieben gekriegt, schaut mal, bin ich nicht hübsch?

"mein" Schwalbennest in 3m Höhe

Fast ein ganzes Jahr ist schon wieder rum und die Schwalben sind da seit Mitte April 2015. Erst hab ich ihnen zugeschaut, dann haben sie mich auf eine glorreiche Idee gebracht, denn was die können das kann ich schon lang! Flugs hab ich "mein" eigenes Schwalbennest gebaut, sicher positioniert in mindestens 3m Höhe und natürlich viel größer und schöner. Dann hat die Chefkuh mal mit dem Maßband meine Hörner vermessen, das nennt sich Tip-to-tip und bedeutet den direkten Abstand zwischen den beiden Hornspitzen: das sind bei mir zur Zeit - jetzt bin ich 4 Jahre und 5 Monate alt - 186cm! Kein Wunder, daß der Anhänger nicht mehr breit genug ist. 2cm hab ich mir an der linken Hornspitze an der Wand abgeschabt, aber das weiß bloß ich und das merkt sonst keiner. Ach ja, wir üben grad Sulky fahren. In einer Gabel laufen ist doof, da muß ich mich richtig biegen in jeder Kurve und kann nicht einfach schräg daher kommen, die eisernen Anzen geben nämlich nicht nach. Da war das mit dem Halsjoch am Ackerwagen schon einfacher ...

Ich versuch jetzt mal Euch ein kurzes Video zu zeigen, wie ich beim ersten Schnee in diesem Winter (also Januar 2016) vor lauter Freude und Übermut rumlauf. Wir mußten aber auch zu lange drauf warten. Im Hintergrund hört Ihr die Hanna rufen, aber vorläufig hab ich den ganzen Platz für mich allein!

Und weil das Rumspringen echt Hunger macht und die Weihnachtsbäume schon lange weggeputzt sind machen wir uns über die Fichten her, deren Äste so vorlaut über den Zaun in unsere Weide herüberreichen. Die Hedda hilft mir dabei.

Heut, am 20.4.2016, war nix los und wir hatten Zeit zum Blödeln. Erst wollte die Chefkuh wissen wie breit ich bin, nein, nicht der Bauch! Die Hörner! Sie kam mit so einem weißen Band, hat das eine Ende über eine Hornspitze gehängt und ist mit dem anderen Ende in der Hand hinter mir herumgegangen um es an der anderen Hornspitze anzulegen. Ich fand das lustig und hab meine Kopf geschüttelt, dabei ist das Band runtergefallen. Beim dritten Anlauf hab ich doch still gehalten weil sie mir den Schwanz gekrault hat. Ratet mal wie groß der Abstand zwischen meinen Hornspitzen ist? Na? 1,95m! Damit paß ich wirklich nicht mehr für lange Touren in den Hänger. Dann haben wir Cavaletti-Arbeit nach Rinder-Art gemacht. Die Reifenegge lag noch da vom Maulwurfshaufen plätten. Da sind wir vorwärts und rückwärts drüber. Ist schon ein seltsames Gefühl wenn die Reifen beim Draufsteigen nachgeben und rückwärts muß man vorsichtig steigen.

Auf dem Weg zum Wartenberger Leonhardi 2016

Da hab ich noch ein Bild gefunden, bin ich nicht hübsch? Schau aus wie ein Pfingst-Ochse, dabei ist November 2016 und wir machen uns fertig für den Leonhardi Ritt in Wartenberg; es regnet Schnürsenkel und ich bin der Ersatz für die beiden Kleinen. Blöd gelaufen, aber vor 4 Wochen haben sie Trichophytie gekriegt und deswegen noch mehr Flecken als vorher und als der Pankratz vorgestern auch noch das Husten angefangen hat war die Sache entschieden: ich muß es machen. Grad bin ich rückwärts aus dem Hänger ausgestiegen und warte auf die Chefkuh, bis die ihre Siebensachen zusammen hat.

Grad fällt mir noch eine Geschichte ein. Gestern wars, der 10.12.16, ein Samstag. Unsere Chefkuh hat uns auf die Weide rausgeschmissen, weil es zwar kalt aber schönstes Wetter war. Sie selber hat sich ihren Holzstuhl hingestellt. Statt sich selber reinzusetzen und ihren Kaffee zu trinken hat sie aber eins von den alten Wagenrädern reingestellt. Da hatte sie lange danach gesucht, es mußte ein Paar Holzräder sein die zum alten, hölzernen Kartoffelpflug passen. Sie hat uns gesagt, wir sollen den Stuhl gefälligst in Ruhe lassen und nicht über den Haufen schieben bis sie wieder da ist. Wir hatten eh genug mit uns selbst zu tun, sogar die beiden Kleinen waren mit im Freien. Ich sag's Euch, das war ein Springen, Toben und Schnuffeln. Dann kam sie wieder mit einem Eimer, der war voll warmen Wasser und einem Haufen Schaum. Sie stellte den Eimer ab, schaute verduzt auf den Stuhl und meinte, sie habe glatt die Bürste vergessen. Drehte sich um und ging wieder in den Stall. Selbstverständlich habe ich die Zeit genutzt und sofort inspiziert was das im Eimer war. Wie ich so die letzten Schlucke schlürf, den Kopf tief im Eimer versenkt, hör ich sie rufen. "Zeno, Zeno, hör auf, Du kannst doch nicht ... !" Den Rest hat sie sich geschenkt, weil der Eimer jetzt leer war, ich sie begeistert angeschaut hab, ihr deutlich zu verstehen gegeben habe, wie gut das geschmeckt hatte indem ich mir mit meiner Zunge einmal ums Maul gefahren bin und einen erwartungsvollen Blick nachgelegt hab. Kopfschüttelnd hat sie noch einen Eimer voll geholt. Den hat sie leider gegen alle unsere Annäherungsversuche verteidigt und mit dem Inhalt das Rad geputzt; was für eine Verschwendung. Nein, ich hab abends beim Wiederkauen keine Seifenblasen gerülpst!

Wollt Ihr noch ein paar Bilder von mir sehen?