Legend's Hedda

Hedda, noch naß

Ha, wie hab ich das hingekriegt?
Der 14. Februar 2014 ist mein Geburtstag!

Eigentlich hatten die Mädels ja den 23. Februar ausgerechnet, aber so lang wollte ich nicht warten. Der Chefkuh hab ich mich 2 Tage vorher kurz angemeldet, da hab ich meiner Mama, der Hanna, beim Spazierengehen kräftig in den Bauch geboxt damit sie kurz stehenbleibt und sich aufbuckelt wie bei einer Wehe. Da konnte sich die Chefkuh schon mal ausrechnen, daß ich früher komm. Daß ich das mit dem 14. Februar so gut hinkrieg, hätte sie auch nicht gedacht: ausgerechnet am Valentinstag ...

Hedda, funkelniegelnagelneu

Also, daß ihr das gleich wisst: ich bin kohlrabenschwarz und habe keine Hörner, nicht eins. Wie ich in der Nacht, ehr am frühen Morgen, auf die Welt gekommen bin, hat mich mein Onkel, der Zeno, mit großen Augen angeschaut: so was hatte er noch nie gesehen. Dann hat er mich dauernd auf die Seite geschoben, das war blöd, weil ich mich von der anstrengenden Geburt ausruhen wollte. Meine Mutter ist zwar dauernd dazwischen gegangen, aber die hätte sich auch lieber hingelegt. Zum Glück hab ich erkannt, daß er mit seinen langen Hörnern nicht in die Ecken der großen Box kann, da konnte ich mich dann hinkuscheln. Übrigens: da liegt auch das beste Stroh ... Wie die Zweibeiner in der Früh die Bescherung gesehen haben waren sie ganz aus dem Häuschen - und haben den Zeno erst mal aus der Box rausgenommen. Jetzt haben wir Ruhe. Grad krieg ich noch ein Bild von meinem Vater zu sehen, der kommt aus Australien, stammt aus Japan und heißt Michitsuru 5.

Hedda auf der Weide

Schaut nur wie ich in den ersten 4 Wochen schon gewachsen bin. Hier sind wir auf der Weide, schön daß dieses Jahr der Winter ausgefallen ist, alles ist schon am wachsen obwohl erst Mitte März ist. Der Charly ist ein ganz gemütlicher, bloß vor dem Zeno muß ich mich nach wie vor hüten. Da hol ich mir die Mama zur Verstärkung. Und die greisligen gelben Ohrmarken haben sie mir auch reingezwickt, gut daß ich die nur sehen muß, wenn ich in der Tränke auf der Wasseroberfläche mein Spiegelbild seh.

erste Ausflüge in die große weite Welt

Wieder sind 2 Wochen ins Land gegangen. Unsere Chefkuh ist sicher, daß ich jetzt mindestens doppelt so schwer bin wie bei meiner Geburt. Ich hab versprochen mich ordentlich zu benehmen und darf schon mit auf Ausflüge nach draußen; da sieht man vielleicht viele Sachen. Gut, daß die Mama dabei ist, da brauch ich keine Angst haben. Unter ihrem Bauch durch schlupfen kommt jetzt nicht wirklich gut, aber an die Milch? Das geht so auch ...

1200 Jahre Allershausen, 1.6.2014

Als drittes Rad am Wagen laufen kann ich schon, die Pausen nutz ich zum Vespern am Wegesrand. Weil ich so brav dabei bin durfte ich am 1.Juni 2014 mit nach Allershausen. Man muß wissen die haben dort 1200 Jahres Feier gehabt und wir sollten den Festzug mitlaufen - den Mistwagen ziehen. Da war was los, all die Leute und die Musik. Ich wär fast aus dem Staunen nicht herausgekommen und fand das gar nicht schwer.

2014, ich spiel den Ochsen in der Weihnachtskrippe; es duftet nach gebrannten Mandeln

Wie die Zeit vergeht, ein halbes Jahr später, Weihnachten 2014, durfte ich den Ochsen in der Krippe der Waldweihnacht in Schröding spielen. Das erste Mal ganz allein, ohne Mama und das den ganzen Nachmittag. Aber die Leute waren ganz lieb, haben mir dauernd von allen Seiten den Rücken gestreichelt. Und die Kinder erst, weil ich keine Hörner hab hatten die gar keine Angst vor mir. Und es roch die ganze Zeit nach lecker gebrannten Mandeln.

meine Mama führt mich in die Jocharbeit ein (April 2015)

Weil das Drei-Polster-Kumt noch zu groß ist haben die Chefkuh und meine Mama beschlossen, ich lerne wie ein Halsjoch funktioniert. Beim Stirnjoch bin ich fein raus - ich hab keine Hörner. Es ist April 2015 und weil ich die Kommandos schon alle beherrsche gehen wir gleich zum praktischen Teil über. Ziemlich doof finde ich, daß ich jetzt auf gleicher Kopfhöhe mit meiner Mama laufen soll, das ist ziemlich weit weg von der Milchbar. Außerdem weist mich die Mama immer zurecht wenn ich zu weit nach vorn gerate. Damit ich nicht ganz zurückfalle und uns allen das Leben schwer mache, hat mich die Chefkuh an die Leine genommen. Ich finde ich kann das schon ganz gut - nur in den Kurven, ohweh, da geht wieder alles anders.

Meine kleine Schwester Hilda verfolgt mich und macht mir alles nach.

Hier ein Bild vom Januar 2016: Wir genießen einen sonnigen Tag mit seltenem Schnee auf der Koppel. Die kleine Hilda verfolgt mich auf Schritt und Tritt und macht mir alles nach, dabei bin ich bloß ihre große Schwester. Jetzt glänzen meine Haare ganz dunkelrot wenn die Sonne drauf scheint, so ein schwarzes dunkelrot, könnt Ihr Euch das vorstellen? Richtig weich sind meine Haare, das unterscheidet mich von den anderen.

Ausflug mit Damenkränzchen, Februar 2016

Bin ich was stolz: ich darf als Handkuh fungieren! Das ist toll. Wir sind zu viert unterwegs, die Hanna und ich haben die Seiten im Joch getauscht. Unsere Chefkuh meint, das sei Absicht, dann kann die Hanna ihren kleinen, schwarzen Scheißdreck (die Hilda) gleich anlernen. Die kleine Maus hat ihren Spitznamen zu Recht, nichts ist vor ihr sicher, überall hat sie ihre Nase drin, von meiner vornehmen Zurückhaltung hat sie gar nichts mitgekriegt. Wir sind quasi quer durch die Ausbildung unterwegs: als Meisterin die Hanna, ich als Gesellin und die Hilda als Lehrling. Langsam weiß auch jede von uns, wo wir am besten laufen und wie wir uns am einfachsten auf einander abstimmen. Es muß ja zusammen passen wenn wir demnächst wieder was arbeiten sollen.

Pankratz säuft fremd

Hab länger nix mehr geschrieben, hatte aber auch so viel um die Ohren. Ihr habt sicher mitgekriegt, daß ich im August 2016 mein erstes Kalb bekommen hab. Ich hab mich aber auch zu doof angestellt. Bis ich begriffen hab, daß mich das kleine schwarze Ungeheuer nicht fressen will sondern bloß am Euter saugen, das hat glatt 2 ganze Monate gedauert. Dabei hat mir die Hanna eigentlich alles gezeigt, wie das so geht mit kleinen Kälbern. Mittlerweile (es ist Februar 2017) darf sogar sein kleiner Freund, der Pankratz, mit ran. Die beiden teilen sich immer eine Mahlzeit: einer von der Seite, der andere von hinten. Wir haben mit dem Bill zusammen inzwischen einen richtigen Kindergarten. Dreimal dürft Ihr raten wer den regelmäßig beaufsichtigen muß ... dabei hätt ich so viel anderes zu erledigen ...

Hedda steckt fest!

Heut ist der 25. Februar 2017 und ich sag Euch, ich hab eine Nacht hinter mir, sowas wünsch ich meinem ärgsten Feind nicht. Gestern abend war die Welt noch in Ordnung, kurz vorm Schlafengehen wollte ich mir noch einen Stengel Heu aus meinem Versteck holen. Dazu muß man mit dem Kopf durch ein Dreieck aus Stangen tief nach unten tauchen, jaja, ich weiß es ist ein bißchen eng, zumal man gleich gegen das große Holztor stößt. Nun, das Heu hab ich mit meiner langen Zunge erwischt, aber als ich meinen Kopf rausziehen wollte hab ich gemerkt das geht nicht. Oh weh! Die ganze lange Nacht hab ich es immer wieder versucht aber die Rohre laufen oben zusammen und obwohl ich keine Hörner hab ist das bei mir die breiteste Stelle. Nicht nur daß ich mir das Fell abgeribbelt hab am Hals und hinter den Ohren, ich mußte auch noch die ganze Zeit im Finstern stehen und konnte mich kaum bewegen. Endlich am morgen haben die Leute gemerkt, daß ich ein Problem hab. Super, hab ich gedacht, gleich ist es vorbei. Oh Mann, was für ein Irrtum! Dabei war ich doch schon so müde. Erst haben sie rumtelefoniert, dann zumindest schon mal das große Tor aufgemacht. Für den sonnigen Morgen hatte ich heut gar nichts übrig. Als unsere Chefkuh nach 15 Minuten aufgetaucht ist, hat die erst mal alle anderen rausgeschmissen auf die Weide. Sie sagte, das muß so sein, damit wir unsere Ruhe hätten, dabei wär ich so gern mitgelaufen. Dann hat sie gedacht das wär total einfach, ich bräuchte ja bloß meinen Kopf ganz nach unten stecken. Sie hat schnell gemerkt, daß das nicht funktioniert, hab's ja selber schon die ganze Nacht probiert. Dann haben sie (der Sohn vom Landwirt wo wir wohnen hat fleißig geholfen) angefangen, die Stangen rund um meinen Kopf abzuschrauben. Was soll ich sagen? Mehr Platz hatte ich da schon, aber rausgekriegt haben wir meinen Dickschädel trotzdem nicht. Letztendlich haben sie ein großes Gerät geholt, was einen fürchterlichen Lärm macht und Funken schleudert, "Flexen" haben sie es genannt, und haben angefangen eine Stange direkt an meinem Hals abzuschneiden. Mir sind die Funken nur so um die Ohren geflogen. Sicherheitshalber haben die zwei vorher den halben Stall mit Wasser eingesprüht - die andere Hälfte macht der Zeno jeden Tag, da schwimmt die ganze Box, weil er mit dem Wasser spielt. Um zu meinem Problem zurückzukommen: da stand ich nun mit einer Schaufel zwischen mir und dem funkensprühenden Ungetüm, ich war so kaputt von der Nacht, daß ich mich eh nicht mehr gerührt hätte. Irgendwann hat der Lärm aufgehört, aber mein Kopf stak immer noch fest. Unsere Chefkuh hat einen Plan B gebraucht, weil die Flexscheibe zu klein war für das Rohr. Zum Schluß - und da ging es schon auf Mittag zu - hat unser heldenhafter Helfer den Rest mit der Eisensäge durchgesägt. Ich kann Euch gar nicht sagen wie froh ich war mich endlich wieder frei bewegen zu können. Ich durfte gleich zu den anderen in die Sonne und war dankbar für die Hanna, die hat sich den ganzen Tag um mich gekümmert und den Kindergarten gehütet. So ein Abenteuer! Nein, das brauch ich nicht öfters!