Widerristjoch-Australia

Widerristdoppeljoche aus Australien

Dieses australische Widerristdoppeljoch wurde von Rob Johnson aus Victoria für seine Jung-Ochsen (18 Monate bis etwa 3 Jahre alt) gebaut und benutzt. Bevorzugt wird Akazien-Holz (Acacia montana, Mallee Wattle) für den Jochbalken verwendet, denn das Holz ist härter als Eichenholz, robust und widerstandsfähig, trotzdem bis zu einem gewissen Maß elastisch und es läßt sich gut bearbeiten. Die typischen Merkmale des Widerristjochs: die frei drehbare(!) Zugabnahme ist auf gleicher Höhe wie das Lager für den Widerrist und die Bögen sind aus Eisen. Sie sollen den Körper des Rindes unter Zugbedingungen nicht berühren, dienen also vor allem der seitlichen Stabilisierung. Wenn man einmal gesehen hat unter welchen Bedingungen dort Holz gerückt wird macht das Sinn: die Rinder brauchen eine möglichst freie Beweglichkeit unter Zugbedingungen. Gehalten werden die Bögen und die Zugaufnahme von einem Metallsplint oberhalb des Jochholzes. In aller Regel wurde/wird in Australien mit mehreren Ochsenpaaren hintereinander angespannt, wobei einfache Ketten oder Eisenstangen der Verbindung von Joch zu Joch dienen. Der ganze Jochzug heißt "Team" und wird vom Bullockie nicht nur zu Fuß sondern manchmal von einem Pferd aus geführt. Rob hat erzählt, daß sein Großvater einmal eine Strafe bezahlen mußte weil er auf dem Wagen saß. Man ging davon aus, daß er von dort sein Team nicht ordnungsgemäß unter Kontrolle hätte.

australisches Widerristdoppeljoch am Tier

2025 hatten wir im November Gelegenheit Herrn Philip Thomson bei einem Zugrindertreffen kennen zu lernen. Er erklärte viel über die Arbeitsweise mit Zugrindern in Australien. Während seiner kurzen Anwesenheit hat er u.a. den Rohling eines Jochbaums für ein australisches Joch fertiggestellt. Dieses Joch ist etwa 126cm breit und 13cm hoch, bei einer 18cm weiten Auflagefläche für den Hals. Die ausgebrannten Löcher für die Bögen und die Zugaufnahme sind 3cm im Durchmesser.

Die Farbe dient dem Witterungsschutz und soll vor allem Termiten fernhalten. Der Witterungsschutz ist besonders im feuchten Klima der Regenwälder erforderlich, wo das Holz sonst sehr schnell verrottet.
Auch in Australien werden sog. "Spacer" benutzt, also Abstandshalter, mit denen die Bögen in ihrer Größe besser eingestellt werden können. Viele der für die Bögen und die zentrale Zugaufnahme benötigten Splints werden selbst hergestellt und haben durchaus unterschiedliche Formen und Verschlüsse (Leder, Draht, eiserne Feder...). Außerdem fällt auf, daß sich die Zugaufnahme frei um die eigene Achse drehen kann. Die eisernen Bögen werden individuell angepasst, entsprechend vielfältig fallen sie aus. Die Ketten, die der Verbindung zwischen den Ochsenpaaren dienen, sind entweder aus normalen Kettengliedern oder aus selbstgeschmiedeten Stangen mit einer Öse an jedem Ende. Letztere haben den Vorteil, daß sie sich beim Durchhängen nicht um ein Bein wickeln können, welches dann unweigerlich unter erneuter Zugbelastung gebrochen wird.

Einfache Aufbewahrungsmöglichkeit für eine Axt am Joch (nicht nur handlich beim Arbeiten im Wald):

Aufbewahrung einer Axt am Joch

Weitere nützliche, selbst hergestellte Gerätschaften, die beim Holzrücken in Australien zum Einsatz kommen:

Deichselspitze für schweren Zug

Beispiel einer Deichselspitze, die für starken Zug adaptiert wurde. Es sind nicht nur die beiden letzten Tiere im Zug unmittelbar am Wagen angespannt, sondern auch die Joche davor können mit einer Kette und dieser Verbindung unmittelbar an der Vorderachse des Wagens (und zum Lenken an der Deichselspitze) beteiligt werden. Dazu muß man wissen, daß auf den großen Plattform-Wagen des Hinterlands (tabletop wool waggon) z.B. bis zu 15t Wolle transportiert wurden, über 1600km bis an die Küste, auf wenig bis nicht vorhandenen Wegen. Manche dieser Wagen hatten 2 Gabeln statt einer Deichsel um den einwirkenden Kräften zu trotzen und wurden mit Ketten von Vorder- zu Hinterachse verstärkt.

(selbstgemachte) Schellen

Auch am anderen Ende der Welt gehen die Ochsen mit Kuhglocken, eigentlich Schellen, auf die Weide, damit sie einfacher gefunden werden können wenn man sie braucht. Wie bei uns kann man schon am Ton der Schelle aus der Ferne erkennen, welches Tier man vor sich hat.

Das folgende Widerristdoppeljoch, auch selbst gefertigt, stammt aus Tasmanien und wurden dort bei einem der Bullockie-Treffen genutzt.

Eindrücke vom australischen Bullockie-Treffen 2024 auf der Gleneden Farm in Maryvale, Queensland.