Widerristdoppeljoche aus der Toskana und das Einspannen von Maremma Ochsen

Diese zwei Widerristdoppeljoche aus Castellaccia, Toskana sind schmal und schlank geschnitten; besonders das untere wirkt sehr elegant. Beide kommen mit Seilen zur Befestigung am Hals des Rindes. Das untere hat an der Außenseite zur erheblichen Arbeitserleichterung hölzerne Haken für diesen Zweck. Das Knoten entfällt, die Seilschlinge muß nur noch eingehakt werden. Der Deichselring des oberen Jochs besteht aus in sich gewundenem Leder (aus der Schwanzhaut eines Rindes) und ist ebenso am Jochbalken fixiert. Der untere Deichselring besteht aus Eisen und läßt die Kräfte die beim Arbeiten entstehen erahnen. Durch parallel  versetzte Löcher im Jochbalken läßt sich diese Zugaufnahme seitlich anpassen, je nach eingespanntem Rind. Die Einkerbung oben just an dieser Stelle läßt die Vermutung zu, daß auch hier mit einem ledernen Jochring hätte gearbeitet werden können.

Dieses Widerristdoppeljoch aus dem Castelnuovo Tancredi, nördlich von Montalcino, Toskana ist ähnlich schmal und gerade geschnitzt. Die Zugaufnahme besteht aus einem eisernen Jochring der mit einem verzierten Eisenband am Jochbalken befestigt ist. Die Tiere werden mit einer Seilschlinge und den am jeweiligen äußeren Ende des Jochs angebrachten Haken im Joch gehalten. Der Haken ist etwas breiter, liegt somit gut an bzw. stabilisiert den Sitz des Jochs und er ermöglicht ein schnelles Einspannen. Wie auf der alten Aufnahme zu sehen ist wurde ursprünglich wohl ein kleiner Eisenring am Seil eingehakt, das reduziert den Verschleiß am Seil. Gut zu erkennen auf dem Bild: keine Löcher schwächen den Jochbalken, man hat die Befestigungsseile um das Jochholz gewickelt.

Ein weiteres Widerristdoppeljoch aus dem Castelnuovo Tancredi, Montalcino, Toskana. Es ähnelt sehr stark dem vorhergehenden; der auffälligste Unterschied: der seitliche Haken ist noch weiter außen am Jochbalken angebracht. Auch hier ist das eiserne Band das den Jochring am Jochholz hält verziert.

Noch ein Widerristdoppeljoch aus Viamaggio, Toskana. Es unterscheidet sich in der Art der Befestigung des Jochrings: hier umfaßt das Eisenband des gesamten Jochbalken U-förmig und sitzt in Ausschnitten des Holzes oben und unten. Ein weiterer Ausschnitt ist oben in die Seiten des Jochbalkens geschnitzt. Da die Löcher für die seitlichen Haken bzw. Seile weiter innen durch das Jochholz treten erschließt sich mir der Sinn (noch) nicht.

Reste eines Widerristdoppeljochs aus der Toskana: übrig ist der abgearbeitete Jochbalken, ein paar Seilreste und ein gebrochener seitlicher Holzhaken zum Einspannen. Von der Zugaufnahme ist nur der Einschnitt im Jochholz sichtbar. Hier sind die Auflagen für den Widerrist schön gerundet.

Anspannen von Maremma Ochsen

Die Butteri der Toskana arbeiten nicht nur vom Pferd aus, einige spannen Maremma Ochsen an. Mit viel Geduld meine Fragen beantwortend und Liebe zum Detail haben sie mir in der Marruchetone Azienda Agricola gezeigt wie es geht. Nachfolgend die Bilder mit den Erklärungen und ein paar Videos die das System verdeutlichen.

Die Rinder werden erst im Alter von einem Jahr zum Arbeiten ausgebildet. Diese beiden hier sind Zwillinge, jetzt 11 Jahre alt und wiegen etwa 1300kg - jeder. Ein loser, verknoteter Strick (der Knoten mit Draht gesichert) wird immer um die Hörner getragen, quasi das "Stallhalfter". Ein kurzer Verbindungsstrick wird die beiden Ochsen nach dem individuellen Aufhalftern miteinander verbinden, er wird in eben diese beiden lockeren Seilringe eingeknotet. Zum Aufhalftern braucht es (wegen der Hörner) ein langes Seil, welches an einem Ende eine Öse hat. Diese Öse wird über das jeweils äußere Horn gestreift. Weil spätestens jetzt die Nasenbremse in das Seil eingefädelt werden muß, kann der Kopf behelfsmäßig mit dem langen Strick fixiert werden. Dazu bedarf es nur einer Schlaufe um Nase und Unterkiefer. Der eiserne Nasen"zwicker" ist deutlich weiter als die bei uns im Handel zum Ruhigstellen gebräuchlichen und wird durch einen einfachen Mechanismus geschlossen gehalten: am oberen Ende hat der Ring, durch den das Seil laufen muß, eine D-Form, verquer läßt sich die Nasenbremse weit öffnen, verhoch ist sie zu. Weil das Seil von den Hörnern kommt schließt sich dieses Teil des Arbeitshalfters automatisch. Die Nasenbremse wird in die Nasenlöcher geklammert und eine Seilschlaufe durch den D-förmigen Ring gezogen. Diese Schlaufe muß lang genug sein, um über das andere / innere Horn zu passen. Sie verläuft von außen nach innen um das zweite Horn, so bleibt die Nasenbremse mittig und zieht nicht nach einer Seite. Damit ist das Aufzäumen erledigt. Das relativ elegante und schmale Widerristdoppeljoch aus Birnenholz wird dem Ochsen-Paar von der Seite her übergeschoben. Dieses Joch wird nur mit Seilen am Hals gehalten; je 2 Löcher an der Innen- und Außenseite nehmen das Halsseil auf. Innen ist es einfach durch die Löcher durchgeführt und um einen besseren Sitz zu gewährleisten sind die beiden Seilstränge am tiefsten Punkt der später um den Hals reichenden Schlinge miteinander verknotet. Liegt das Joch auf den Ochsen verlaufen also auf jeder Seite 2 Seilenden innen. Die gilt es unter dem Ochsenhals hindurch nach außen zu holen, durch die beiden entsprechenden Löcher dort im Joch zu fädeln und zu verknoten. Dazu sind alle Seilenden die ich gesehen habe auf 5cm mit Klebeband / Schrumpfschläuchen umwickelt und verklebt. Um ein festes, unlösbares Zusammenziehen des Knotens zu vermeiden werden die Seilenden in gegensätzlicher Richtung einmal um das Jochholz gewickelt bevor sie mit einem einfachen Kreuzknoten vertäut werden. Zum Anspannen des einachsigen Wagens dient ein lederner Jochring, der mit einem breiten Lederriemen am Holz befestigt ist. Zum Anspannen wird vom rechten Rind über die Deichsel getreten, dann der Wagen von vorn an der Deichsel angehoben und letztere durch den Jochring geschoben. Nicht ganz einfach gestaltet sich das Befestigen mit dem eisernen Jochnagel. Der muß oben hinterhalb des Jochs und Jochringes, unten aber vor dem Jochring stecken.

Der Uncino ist mit das wichtigste Accessoir eines Butteri. Nicht nur, daß man vom Pferd aus damit Seile aufheben, Tore auf- und zumachen und Rinder dirigieren kann, der Stecken eignet sich auch hervorragend um eine Jacke von der Gardinenstange zu holen. Der Uncino muß aus dem Holz der Kornelkirsche (gelber Hartriegel) geschnitzt werden, nur so kann sicher gestellt werden, daß er nicht bricht. Bei enormer Belastung spaltet er sich. Im Notfall taugt auch das Holz des Goldregens. Der Uncino ist etwa 1,5m lang, hat an einem Ende einen schrägen Ansatz wie einen Haken mit Verlängerung und am anderen Ende eine kleine Gabelung. Je nach Bedarf werden diese Enden eingesetzt und der Uncino wird quasi zur verlängerten Hand.