Beschlag

Einige Unterschiede der Rinderklaue zum Pferdehuf machen das Beschlagen nicht einfacher. Das Klauenhorn ist bedingt durch seinen Aufbau wesentlich härter und weniger elastisch. Ein Großteil der beim Auftreten erforderlichen Stoßbrechung findet deshalb oberhalb der Klauen im Bandapperat statt. So weichen die Klauen z.B. bei Belastung auseinander, ein Vorteil vor allem in tiefem Boden. Auch der Schultergürtel ist beim Rind elastischer seitlich am Brustkorb angebracht als beim Pferd. Besonders der hintere Teil der Klaue, der Ballen, ist weich und verformbar genug um bei jedem Schritt etwas mitzufedern. Das Wandhorn bedeckt nur die jeweilige Außenseite der Klaue und vorn etwa ein Drittel der Seite, die der dazugehörigen Klaue zugewandt ist. Weil es gleichzeitig dünner ist, entsteht an der Sohle eine schmale Kante, die so scharf sein kann, daß durch sie verursachte Verletzungen wie Schnittwunden aussehen. Dieses Wandhorn ist weniger verzahnt mit seiner Unterlage (keine Nebenblättchen in der Wandlederhaut) im Vergleich zum Pferd, was ein Ausschuhen erleichtert. Die weiße Linie ist bei Rindern gerade im Zehenbereich sehr schmal (2-4mm), was ein Beschlagen nicht einfacher macht. Nur hier ist die richtige Stelle um Nägel einzuschlagen und wehe sie biegen sich, weil sie zu weich für das Klauenhorn sind um mit ihrer Spitze durchzudringen.
Rinder werden kalt beschlagen (nicht wie beim Pferd aufgebrannt), weil das Sohlenhorn beim Rind deutlich dünner ist. Das macht eine wesentlich genauere Vorarbeit von Nöten!

Fabrikeisen

so wie man sie heute nicht mehr bekommen kann; mit eingeschlagener Spezifikation ob rechts oder links, der Größe und Herstellerkürzel

Die Klauenplatten wurden im Dutzend an einem Draht zusammenhängend vertrieben; es waren Rohlinge und man mußte sie selbstverständlich nachbearbeiten und anpassen.

Die Klaueneisen sollen die ganze Sohle bedecken, um Verletzungen im Ballenbereich zu verhindern. Griffe werden so angebracht, daß ein Rutschen in egal welche Richtung verhindert wird. Stollen müssen angeschweißt oder aufgenietet werden, zum Einschrauben ist die Eisenplatte zu dünn. Das Klaueneisen muß wegen der Befestigung an nur einer Seite möglichst leicht bleiben. Die Hauptbelastungsstelle liegt an der Klauenspitze, dort sind alle alten Eisen durchgelaufen. Wenn es möglich ist, kann die Auflagefläche im Ballenbereich etwas konkav gestaltet werden. Die Befestigungsfeder muß weichgeschmiedet sein, damit sie sich gut an die Klaue anlegt, dieses Teil ist - mit den Nägeln - wesentlich für einen guten Halt und Sitz des Klaueneisens.

Man beachte den deutlichen Unterschied in Form und Größe zwischen Hinter- und Vordereisen!

vom Schmied neu angefertigtes Eisen für CB

war das Ersatzeisen für den ersten Beschlag; Vorteil zum Fabrikeisen: individuell angepaßt; extra ausgearbeitete Kuhle für den Ballen; bald erkannter Nachteil: der seitliche Aufzug ist zu klein, wird entweder umgetreten bei der Bein-Rotation beim Laufen oder schlimmer, es tritt sich in die Klauensohle ein weil scharfkantig.

neu geschmiedetes Eisen für CB

vom Schmied neu angefertigtes Wintereisen für CB (1)

deutlich erkennbar die Abnutzungsspuren, wo also auch an der Klaue die Hauptlast liegt; gut zu sehen wie vorn die Spitze abreibt; unten 5 Stollen aufgeschmiedet; deutlich größere Aufzüge, die sich - entgegen meiner Befürchtung wegen zu viel Gewicht hinten wo kein Nagel mehr hält - gut bewährt haben; dieses Eisen hat 6 Wochen gehalten bevor ich es abgemacht habe obwohl nur 3 Nägeln eingeschlagen waren!

vom Schmied neu angefertigtes Wintereisen für CB (2)

wachstumsbedingt größer; Stollen diesmal eingesetzt und auf der Sohlen-Tragfläche plangeschliffen; wieder mit Kuhle für den Ballen

altes Eisen

im Acker gefunden, zeigt es deutlich die selben Abnutzungsspuren; gut zu sehen der seitliche Aufzug; auch der ist kleiner, sitzt dafür neben den letzten Nagellöchern; das sehr kleine Eisen kann nur ein Vordereisen sein ...

altes Klaueneisen

noch ein altes Eisen

auch im Acker gefunden, der seitliche Aufzug fehlt (noch ein Hinweis auf ein Vordereisen); auch dieses Klaueneisen ist klein, und die Feder ist sehr weit vorn; damit diese Feder noch eine Auflage auf der Klaue findet, muß die Klauenspitze das Eisen vorn überragen; beim Stanzen der Löcher rundet sich das Eisenband nach außen

französisches Klaueneisen

man beachte den gewölbten, wannenförmigen Klaueneisen - Boden

französisches Klaueneisen

italienisches Klaueneisen

aus Campodolcino, Lombardei; der hintere Rand ist nach unten gebogen und gibt somit einen guten Halt auf rutschigen Bereichen

Völlig andere Art des Klauenbeschlags: das Eisen deckt nur den inneren Sohlenbereich ab, entsprechend schräg müssen die Nägel sitzen. Es überrascht, wie weit hinten noch genagelt wird. Auch dieser Schmied bohrt die Nagellöcher vor.

Klauenbeschlag in Asien

Klauenschuh, selbstgebaut von Mathuranatha / Australien

Klauenschuh von oben

Klauenschuh von unten

diese Schuhe wurden mit einem durch die Schlaufen gezogenen Lederband um die Fessel fixiert; damit wurden monatelang Wagenladungen voller Waren mit Ochsen gefahren; die "fehlende" Spitze der Eisen stellte laut Auskunft von Mat kein Problem dar

Ushiwaraji

Ushiwaraji - japanische Klauenschuhe

das sind geflochtene Sandalen, in aller Regel aus Reisstroh, die an allen 4 Beinen getragen wurden; Rind heisst Ushi und Strohschuhe sind Waraji, manchmal werden sie auch Ushi-gutsu genannt; ähnliche Sandalen wurden für Menschen und Pferde geflochten. Heute noch kann man Ushiwaraji an zeremoniell herausgeputzten Ochsen oder im Museum sehen. Japanische Rinder wurden nicht gegessen, denn sie hatten 4 Beine; sie wurden zum Arbeiten genutzt, selbst Landwirte mit einem Rind galten als reich. Die Tiere kamen als Lastträger (z.B. für Salz) zum Einsatz, aber auch vor Lastkarren beim Ausfahren landwirtschaftlicher Güter in die Städte.

nachfolgend beispielhaft das Flechten von Reisstroh - Sandalen für Menschen:

Traditional Japanese straw sandals "WARAJI"(1/2)

Traditional Japanese straw sandals "WARAJI"(2/2)

Nägel für Klauenbeschlag

Weil das Klauenhorn von Rindern wesentlich härter als das von Pferden wächst, zudem die Wand der Klaue schmaler ist und hinten im Ballenbereich kein Platz zum Nageln zur Verfügung steht braucht es andere Nägel für die Eisen als üblicherweise beim Pferd zum Einsatz kommen.

Hier eine Sorte, die noch im Handel erhältlich ist:

Klauennägel

Eine andere Möglichkeit ist das Vorbohren der Nagellöcher mit einem Dremel, dadurch lassen sich die Nägel sehr genau platzieren und auch normale Hufnägel verbiegen sich nicht beim Einschlagen.

Funktionelle Klauenpflege

ein Film aus der Tiermedizinischen Fakultät in Zürich (Schweiz)

die darin enthaltenen Aufnahmen vom Laufen und Auffußen mit Hochgeschwindigkeitskameras sprechen für sich

Bilderserie in der Badischen Zeitung über das Beschlagen eines Ochsens

Wohlbefinden garantiert Leistung

ein Sonderdruck (pdf) des Arbeitskreises Großtierpraxis von Dr. Andrea Fiedler

Den Richtigen finden (Klotz - wohlgemerkt)

Gilt es, eine kranke Klaue mittels Klotz zu entlasten, stellt sich die Frage, welcher ist der Richtige. Eine Umfrage unter Klauenpflegern zeigt, was die Profis empfehlen. Dr. Andrea Fiedler, München, präsentiert die Umfrageergebnisse (pdf) und gibt Tipps. dlz 11/2007

Sie haben keinen Fangstand?

Wie wär's mit Selberbauen?

Hier eine Anleitung des LSU-AG Centers (pdf) für einen fahrbaren Fangstand.

Selbstverständlich ohne Garantie und in US-Maßen.

 

Baustelle