bewegliches, verstellbares Dreipolsterkumt

Bewegliches und verstellbares Dreipolsterkumt nach Eggert (Deutsches Reichspatent - D.R.P.Nr.11658)

Sattlermeister Eggert hat etwa 1890 vom Westfälischen Halbkummet ausgehend, jeweils ein Seitenpolster an einer dem Kummetholz entsprechenden, eigenartig gebogenen Stahlstange befestigt. Die beiden Seitenkissen sind relativ kompliziert aufgebaut, was die Herstellung dieses Kumts verteuert. Ein Schnallriemen am oberen Ende dient dem Zusammenhalt und der Verstellbarkeit in der Breite. Unten schließt eine Kette, auch hier Spielraum zum Einstellen in der Breite. Ein einfaches Tragpolster dient der Anpassung in der Höhe. Ein Doppelriemen zieht zum Schwanzriemen bzw. Rückengeschirr und soll ebenfalls die (Hoch-)Lage des Kumts sichern. Einzelne, abgenützte Teile können bei diesem Kumt leicht ersetzt werden.

Bewegliches und verstellbares Dreipolsterkumt nach Lang

Vom verstellbaren Dreipolsterkumt nach Eggert ausgehend hat Bauer Lang noch ein weiteres Kumt auf den Markt gebracht. Die kompliziert gebogenen eisernen Kummetstangen wurden durch Stahlrohre ersetzt. Die einfach gebauten Kissen sind auf Eisenplatten fixiert. Die Verstellbarkeit wird wie bei den anderen Dreipolsterkummeten gewährleistet.

Die Stahlrohre sind 70cm lang und 2,5cm im Durchmesser bei einer Wandstärke von 0,2cm. Sie sind schwach s-förmig gebogen. Vom untersten Ende der Rohre 1cm entfernt beidseits nach der Kumt-Innenseite zeigend ein 2,5cm großer Haken, links offen zum Einhaken der Verschlußkette, rechts soweit zusammengebogen, daß die 19,5cm lange Kette (Kettengliederlänge 4cm) nicht heraus rutschen kann. Auf einer Rohrhöhe von 30-31cm sind die Eisenplatten von hinten auf insgesamt 21cm angeschweißt (jeweils eine Schweißnaht von 5-6cm oben und unten). In diesem Bereich (auf 40cm Rohrhöhe) sind vor den Eisenplatten von der Seite die Zughaken durch die Stahlrohre geführt und angeschweißt. Die eisernen Zughaken sind 13cm lang, bei einer Materialstärke von 1,2cm und einem eigentlichen Haken von 3,5cm. Am oberen Ende der Stahlrohre (60cm Höhe) ist außen jeweils 1 Eisenring (5cm Durchmesser, 0,5cm Materialstärke) angebracht als Leinenführring. Darüber am Ende ist außen beidseits eine eiserne Öse angeschweißt (4cm x 1cm) die den oberen ledernen Verschlußriemen (59cm x 3cm x 0,5cm) halten muß. Bei diesem Riemen ist das Schnallende rechts, das Strupfenende links. Eiserne Kappen schließen die Stahlrohre nach oben ab. Zurück zu den Eisenplatten: sie sind 26cm hoch, 8,5cm (unten) bzw. 5cm (oben) breit und 0,3cm dick. Die Form erinnert an eine Schuhsohle, unten breit mit abgerundeten Ecken, oben zulaufend auf die Innenecke und dort eine runde "Spitze" formend. Drei Vierkant-Muttern auf jeder Seite halten die Polster an diesen Eisenplatten fest. Die Polster sind rundum auf Holzplatten aufgenagelt, die linke Holzplatte trägt die metallene Hersteller Plakette: "Hermann Lang, Kuhkummetfabrikation, Ingelfingen/Württbg.". Die etwas größeren Holzplatten (32cm x 9cm x 1cm) folgen im großen und ganzen der Kontur der Eisenplatten. Das mit Gras gestopfte Lederpolster ist etwa 7cm dick. Das Leder ist an den Ecken in Form gezogen und festgenagelt. An der Außenkante ist zum Schutz auf 21cm eine Metallschiene über dem Leder an der Holzplatte festgenagelt. Sonst folgt ein aufgenagelter 1cm breiter Lederriemen der Kontur. Am oberen Polsterende ist zwischen Holz- und Lederplatte beidseits eine Lederstrupfe (50cm x 2cm x 0,2cm) befestigt, verziert mit einer parallel zum Rand punzierten Linie und Wellen in der Riemenmitte. Dieses Lederband stellt die Verbindung zum Rückenriemen bzw. Geschirr dar. Weiter Richtung Mitte weisend noch ein Lederutensil: links die Strupfe und rechts das Schnallende mit dem verschieblich daran befestigten Nackenpolster. Die Strupfe des Nackenpolsters ist mindestens 30cm lang, 3cm breit, 0,5cm dick. Das Schnallende 15cm lang, 3cm breit, 0,3cm dick. Die viereckige Ledergrundlage des Nackenpolsters ist 15,5cm x 8cm x 0,3cm und zeigt noch das rote Garn mit dem der Filz am Leder befestigt war. Vier Schlitze (3,5cm x 0,3cm) erlauben den beweglichen Durchtritt des Befestigungsriemens. Gewicht: 5,3kg

Bewegliches und verstellbares Dreipolsterkumt nach Vogt

Ähnlich den anderen verstellbaren Dreipolsterkumten fällt dieses durch eine andere Kummetholz-Form und eigentümliche Seitenkissen auf.

Bewegliches und verstellbares Zweipolsterkumt nach Elfers

Sattlermeister Elfers hat sich am Dreipolsterkumt nach Eggert orientiert: die Kumtstangen wurden wieder aus Holz gearbeitet, die Seitenkissen sind wie bei normalen Kumten geschnitten, allerdings nicht miteinander verbunden sondern oben spitz auslaufend. Die Verstellbarkeit wird durch 2 Riemen am oberen und unteren Ende gewährleistet;  der obere Riemen läuft Gefahr am Halse zu scheuern. Die Seitenpolster sind in der Höhe nicht verschieblich.

Bewegliches und verstellbares Dreipolsterkumt nach Böß-Steinmetzhof

Weiterentwicklung des Zweipolsterkumts nach Elfers. Durch Einfügen eines Tragpolsters unter dem oberen Schnallriemen wird es zum Dreipolsterkumt. Die Seitenpolster selbst wurden vom Aufbau her verändert und von der Form her anders geschnitten. Ein gespaltener Rückenriemenübergang stellt die Verbindung nach hinten her.

Das folgende 3-PK nach Böß-Steinmetzhof wurde, weil gut erhalten, wieder zum Gebrauch fitgemacht. Die hölzernen Hamen sind 70cm hoch, 5cm breit und 2,5cm dick. Unten in den Seiten eingelassen die Eisenbänder (20cm x 1,8cm) für den Kettenverschluß. 3 Senk-Schlitz-Schrauben halten sie unverrückbar in ihrer vorgesehenen Vertiefung. Links ein Haken (3cm), rechts der selbe zur Öse gebogen und die 25,5cm lange Verschlußkette (Kettengliedlänge 4cm) haltend. Auf 30cm Hamenhöhe das untere Loch der Pratzen / Zugaufnahme, 4,5cm darüber das obere. Vorn halten Unterlegscheiben und 6-Kant-Muttern die Pratzen, hinten finden sich im unteren Bogen handgeschmiedete, S-förmige Zughaken. Sie sind 7cm lang, mit einem breiten, runden Löffel (5cm x 4,5cm) innen und einem nach vorn offenen Haken der an der äußersten Spitze ein Knöpfchen trägt. Am linken Hamen ist 1cm darüber auf der Hinter- / Seite der Peitschenköcher angebracht. Ein 14cm x 10cm großes Lederstück, an einer kurzen Seite ein 2,5cm breites Lederband mittels rotem Garn aufgenäht, wird mit der späteren Außenseite auf den hinteren Hamen genagelt, Abstand zur Außenkante des Holzes etwa 1cm. Dann wird das Leder nach außen umgeschlagen und auf der Außenseite des Hamens mit 6 Ziernägeln befestigt. Ein weiterer dieser Nägel verengt den unteren Durchmesser und schon ist der Köcher gebrauchsfähig. Dieser hat zur Zier noch eine punzierte Linie im Leder am gesamten Rand entlang, außerdem 2 Wellenlinien auf der Außenseite. Auf 54cm Hamenhöhe beidseits in den Hamenseiten Ringösen die den Leinenführungsring (5cm Durchmesser, Materialstärke 0,5cm) halten. Auf 61cm Höhe ein senkrechter Schlitz (3cm x 0,5cm) im Holz für den oberen Verschlußriemen. 2cm höher noch ein 2cm Durchmesser Ziernagel auf der Hamenvorderseite. Der obere Verschluß ist ein Schnallriemen (65cm x 3cm x 0,5cm), rechts die Schnalle, links die Strupfe. Auch er mit einer Längslinie entlang der Kanten geziert. Die halbmondförmigen, mit Stroh gestopften Lederpolster sind 38cm hoch, 12cm tief und 6,5cm dick. An ihrer Außenseite fest montiert der Strangfleck auf halber Höhe, 13cm x 10cm, mit in sich selbst geknoteten Lederbändchen an seinen Ecken befestigt. Es lassen sich im Leder noch kleine Löchlein erkennen mit denen er angeheftet war. Auch am Holz lassen sich noch Bleistiftstriche erkennen, die dem Sattler die Position des Polsters vorgaben. Ein 4cm tiefes Kompartiment des Polsters - getrennt mittels eines fortlaufend durchgezogenen, 0,7cm breiten Lederbandes - dient als Wulst und gleichzeitig zur Befestigung des Polsters an der Hameninnenseite. 2 Nägel fixieren die Polsterenden, 2 Lederbändchen halten das Lederpolster zusätzlich festgenagelt am Hamen. Am oberen Polstereck tritt nach hinten der gegabelte, lederne Rückenriemen aus mit seiner Strupfe, mindestens 56cm lang, 3cm bzw. 4,5cm bzw. 2,2cm breit und 0,5cm dick. Nach schräg oben und vorn tritt an dieser Stelle auch die Befestigung für das Nackenpolster zwischen Hamenholz und Seitenpolster hervor. Dieser Riemen (3cm x 0,5cm) besteht aus linkerhand einer Strupfe von mindestens 30cm Länge und rechterhand einem Schnallende von mindestens 20cm. Das Nacken- / Tragpolster ist aus einer Lederplatte (15cm x 8cm) mit hinten abgeschrägten Ecken. 4 Schlitze (3,5cm) sorgen für die Beweglichkeit des Polsters beim Einstellen des Kumts. Der Filz wurde erneuert und in den alten Stichkanälen wieder aufgenäht. Gewicht: 3,5kg

Nachfolgend ein weiteres 3PK nach Böß-Steinmetzhof. Der Grundschnitt ist regelmäßig identisch, Details variieren. Hier sind die Hamen 75cm hoch, aus unterschiedlichen Hölzern. Die Eisenschienen für den Kettenverschluß unten sind 19cm lang, an ihrem oberen Ende mit einem Blatt versehen und nicht nur mittels 4 Senkkopf-Schlitzschrauben am Holz befestigt sondern für einen besseren Halt auch aufgebrannt. Auf 35cm Hamenhöhe die untersten Pratzenlöcher, 4,5cm darüber die oberen. Vorn werden die Pratzen von 6-Kant-Schrauben auf einer knochenförmigen Metallplatte gehalten, hinten sind im unteren Bogen D.R.G.M.-Zughaken (runder Löffel von 6cm Durchmesser, 7cm Haken nach vorn offen, Spitze mit Knopf nach oben-innen weisend). Auf 53cm Hamenhöhe ein Loch welches mittels in sich selbst verknotetem, doppelt durchgeschlungenem Lederband zur Befestigung des Leinenführrings dient. Auf 64cm Hamenhöhe senkrechte Schlitze (3,5cm x 0,7cm) für den oberen Riemenverschluß des Kumt. Zwei cm darüber ein 2cm Ziernagel auf der Hamenvorder- / und -rückseite. Der Schnallriemen für den oberen Kumtverschluß ist 60cm lang, 2,7cm breit und 0,3cm dick. Die halbmondförmigen Seitenpolster sind 41cm hoch, 15cm tief, 6cm dick. Außen in der Mitte der 10cm x 11cm große, fest mit dem Seitenpolster verbundene Strangfleck. Am oberen Polsterwinkel tritt nach hinten die Verbindung zum Rückenriemen aus, hier als gespaltener Riemen mit Schnallende, 4cm bzw. 3,5cm bzw. 1,5cm breit, mindestens 56cm lang und 0,4cm dick. Zur Nutzung hergerichtet wurden die "Sollbruchstellen" wo sich der Riemen aufspaltet wieder zusammengenietet. Am oberen Polsterende tritt zwischen Polster und Hamenholz nach vorn-oben der Befestigungsriemen für das Nacken- / Tragpolster hervor. Hier ist das Tragpolster von beiden Seiten einstellbar, also 2 Strupfen, mindestens 30cm lang, 2,5cm breit und 0,4cm dick. Parallel zum Strupfenrand verlaufen punzierte Linien. Das Nackenpolster selbst ist aus einer viereckigen Lederplatte (15cm x 7,5cm) mit hinten abgeschrägten Ecken und einem Lederriemen mit 2 Schnallenden aufgenäht. Eine zusätzliche Lederschlaufe in der Mitte hält beide Strupfenenden fest. Der Filz ist neu aufgenäht in den alten Nadellöchern. Gewicht: 4,6kg

 

3PKs aus Baden-Württemberg

Dieses 3PK aus Rottenburg, Baden-Württemberg kommt mit Rückenriemen, Schwanzmetze und grünem Filz am Tragpolster. Die hölzernen Hamen sind 75cm hoch, 6cm breit und 2,5cm dick. Die Eisenschienen am unteren Ende sind 20cm lang, 2,5cm breit, 0,4cm dick und mit 2 Aufzügen, die das seitliche Verrutschen verhindern. Der Ausschnitt im Holz ist für größere Aufzüge gemacht. Auch hier die blattförmige Spitze der Eisenschienen und die Befestigung mittels Schrauben. Auf 34cm Hamenhöhe die unteren Löcher der Zugaufnahme, in 4cm Abstand die oberen. Hier erfüllen Pratzen diesen Zweck, in jedem oberen Bogen ein Zughaken, nach vorn-oben offen, der dem D.R.G.M. Haken nachempfunden ist, 6cm lang, 5,5cm Löffeldurchmesser. Vorn werden die Pratzen durch 6-Kant-Muttern gehalten, die sich zur besseren Lastverteilung auf einer knochenförmigen Eisenplatte befinden. Auf 51cm Hamenhöhe ein 1cm großes Loch für das Lederband des Leinenführrings. Auf 63cm Hamenhöhe der senkrechte Schlitz (3,5cm x 0,5cm) für den oberen Kumtverschluß, einen einfachen Schnallriemen 65cm lang, 3cm breit, 0,3cm dick und einmal angestückelt mit Hilfe zweier Nieten. Die halbmondförmigen, ledernen Seitenpolster sind 42cm hoch mit der üblichen Einteilung und Fixierung am Hamenholz. Das schmale Kompartiment ist hier mit einer dicken Schnur (statt Lederband) fortlaufend abgenäht. Außen fest mit dem Polster verbunden und in weiser Voraussicht mit einer doppelten Lage stabilen Leders unterlegt, die Strangflecken (mindestens 10cm x 10cm), an ihren Ecken mit Lederbändchen am Polster verknotet, zusätzlich in der Mitte am äußeren Rand zwei genähte Hefte, die die doppelte Lederunterlage mit fixiert. 10cm unterhalb der oberen Seitenpolsterspitze kommen schräg nach vorn-oben zwischen Hamenholz und Polster die Ledergurte zum Halten des Tragpolsters zum Vorschein. Links ein Schnallende, 21cm x 2,5cm x 0,5cm, rechts eine abgerissene und mit heller braunem Leder ausgebesserte Strupfe, 45cm x 2xm x 0,5cm bzw. 0,3cm. Das Nacken- / Tragpolster ist viereckig, 17,5cm x 6cm, hinten mit abgeschrägten Ecken; auch hier war eine Befestigung schon ausgerissen und wurde mit einem darüber genähten Lederriemen ausgebessert. Die grüne Filzunterlage ist nur noch in Resten vorhanden. An den oberen Seitenpolsterecken tritt außerdem nach hinten-oben der geteilte Rückenriemen aus (78cm x 2,3cm bzw. 4,3cm bzw. 2cm x 0,4cm), hier als Strupfe. Die "Sollbruchstelle" wo sich der Riemen teilt wurde schon einmal mit einem Garn zusammengehalten - nur um wieder zu reißen. Die Strupfe ist in ein 27cm langes Zwischenstück geschnallt, 2-teilig mit einem 3cm großen D-Ring in der Mitte und nach jeder Seite einem Schnallende. Diese Zwischenstück ist mit Taschenschnallen gearbeitet, vernietet und aus völlig unterschiedlichen Ledermaterialien zusammengestückelt. Trotzdem erfüllt es seine Funktion. Es dient als Übergang zum Schwanzriemen (100cm x 2,3cm bzw. 4cm bzw. 2cm x 0,4cm), dessen dunkles Leder zwar in 2 Strupfen endet, die dann allerdings mit einer einfachen Schwanzmetze aus doppelt gelegtem Sämischen Leder vernäht wurden. Gewicht: 3,95kg

 

Das folgende 3PK aus Esslingen, Baden-Württemberg, kommt nicht nur mit dem gesamten Geschirr sondern kann auch eindeutig zugeordnet werden. Auf dem dazugehörenden Überwurf eine Metallplakette (5,8cm Durchmesser) mit der Inschrift "Karl Göttling K.S. Schanbach". Schanbach ist keine 10km von Esslingen entfernt. Die Form und Verarbeitung des Kumts selbst entspricht den üblichen Bauplänen. Es muß schon einmal ergänzt, erneuert worden sein, weil die linke Seite nicht nur Hinweise gibt auf ein neu angebrachtes Seitenpolster, sondern auch weil die Pratzen anders festgeschraubt sind wie rechts, die Metallplatte, welche die Unterlage für diese Fixation bildet, eine andere als rechts ist und sowohl die neuen Lederriemchen für die Polsterfixierung als auch der Tragriemen für das 3.Polster und der obere Verbindungsriemen aus einem anderen Ledermaterial (weißgegerbt) sind. Zudem wurde das Tragpolster falsch herum eingebaut; die abgeschrägten Ecken gehören nach hinten, stoßen sie doch sonst laufend an den Hamen an. Auch das Lederriemchen für den Leinenführring links und der gespaltene Rückenriemenansatz stammen aus diesem anderen Leder. Gewicht: 4,05kg
Das Geschirr ist ein einfaches Überwurfgeschirr mit Hanfsträngen. Die vorderen Ösen (und eine hintere) der Hanfstränge sind zu deren Schutz mit Leder umnäht. Die Stränge treten nach 30-35cm in die Strangscheiden ein, dort sind sie vorn mit einem Lederbändchen fixiert; ein Knopf im Bändchen hält dieses in der Strangscheide und der Rest des Bändchens ist im Hanfseil eingespleißt. Die Strangscheiden sind 43cm lang, 6cm hoch (das Leder also 12cm und einmal gefaltet, dann unten zusammengenäht) und auf ihrer Außenseite mit punzierten Linien in geometrischen Mustern geschmückt. Am Eintritt und Austritt des Zugstranges sind die Enden der Strangscheide zusätzlich mit einem Lederstreifen ummantelt, trotzdem kommt es dort zu Einrissen und Lederabschürfungen. Im Bereich der vordersten 8cm tritt nach unten der Bauchgurt aus, links die Strupfe (26cm x 2,5cm x 0,4cm), rechts das leider abgeschnittene Schnallende. Dahinter folgt 6cm breit und mit einem Lederband fest an der Strangscheide verknotet der Überwurf. Links das Schnallende, 20cm x 6cm x 0,5cm, mit einer halbrunden, 8cm großen Zierschnalle. Von rechts kommt eine passende Strupfe (125cm lang), an der außer der erwähnten Plakette eine Schlitzrose (4,5cm) und ein Leinenführring (5,3cm) Platz finden. Hinten enden die Zugstränge in verschieden langen 2-Ring-Ketten, von Ring zu Ring 5cm Differenz zwischen beiden Seiten, und am Übergang ein (sinnloser?) Pseudodrehwirbel. Die Zugstränge aus Hanf sind von unterschiedlicher Stärke und die Gesamtlänge beider Stränge differiert um 10cm (200-210cm). Der Schwanzriemen ist als Strupfe gearbeitet, passend zum Anschluß am 3PK. Er ist vorn abgerissen, also mindestens 95cm lang, 3,5-4,5cm breit und 0,5cm dick. An seiner Gabelung für die Schwanzmetze die üblichen Risse und Brüche im Leder. Rechts ist die Schwanzmetze angenäht, links zum schnallen. Die Metze selber besteht aus einem einfachen, doppelt gelegten und so zusammen- genähten Leder, insgesamt 60cm lang und 2,5cm breit.

 

An dem unten abgebildeten 3PK sind die üblichen Bruchstellen gut zu sehen. Es hat bei 70cm Hamenhöhe die normalen Maße. Mit dabei der für Rinder gern benutzte Schwanzriemen mit ungestopfter Metze, einfach doppelt gelegtes, abgestepptes Leder. Gut geeignet für den zum Teil sehr knochigen Schwanzansatz bei Kühen. Die Eisenschienen für den Kettenverschluß sind hier nicht auf das Hamenholz gebrannt, dafür haben sie große Flügel am unteren Ende beim Kettenansatz und Haken, die ein seitliches Verrutschen auf dem hier passend zugeschnitzten Holz verhindern. Die knochenförmige Auflageplatte am Zugansatz sorgt für eine bessere Verteilung der entstehenden Kräfte. Die Zughaken am Ansatz für die Stränge haben DRGM-Form (Deutsches Reich Gebrauchsmuster) sind aber nicht entsprechend gekennzeichnet. Die Hakenspitzen sind hier mit kleinen Kugeln "entschärft". Vom grünen Filz an der Widerrist-Auflage sind nur noch Spuren vorhanden. Für mein Verständnis ist der diese Auflage haltende Riemen seitenverkehrt angebracht. Am linken Hamen wird der Durchtritt für den oberen Verbindungsriemen als alternativer Ansatz für den gegabelten Schwanzriemen benutzt, es ist wohl umständlicher dort das Schulterpolster lösen zu müssen, damit der ursprüngliche Ansatz wieder genutzt werden kann. Damit verändert sich aber auch das Verhalten der Kumtbewegung bei der Arbeit. Gleichzeitig lassen sich hier die üblichen Abbruch und Splitterstellen im Holz der Hamen gut beobachten. Gern bricht das Holz auch entlang der Maserung über dem Zugansatz und unter dem Verbindungsriemen bei stärkster Beanspruchung. An der Gabelung des Schwanzriemens eine weitere typische Rißstelle im Leder; solche Stellen werden neu vernietet, doppelt mit Leder übernäht oder einfach mit Draht/Garn zusammengehalten - letzteres die am wenigsten haltbare Reparatur.

3PKs aus Bayern

Im folgenden beschrieben ein zusammengehörendes 3-PK Paar aus Wiesau / Schönhaid in der Oberpfalz. Sie kamen zusammen mit einem Paar Seitenteilen und einem Paar Stirnjoche.

 

Aus Oberfranken kommt das folgende 3PK-Paar, genau gesagt aus Guttenberg. Seine Hamen leuchten in einem warmen weinrot, ob das Pflaumenholz ist? Die Kumts sehen auf den ersten Blick so aus wie alle anderen, die Details erzählen Geschichten und Besonderheiten. Das linke 3PK ist sofort kenntlich durch den Peitschenköcher, der am linken Hamen, gut erreichbar für den Ochserer, angebracht ist. Die leicht geschwungenen, oben stumpf gerundeten Hamen sind 68cm hoch, 2,2cm dick und 5cm breit. Der eiserne Kettenverschluß ist im unteren Kumtwinkel jeweils auf rechts bzw. links zum Schließen angebracht, wobei die Eisenschienen "nur" auf den Hamenaußenseiten aufgeschraubt sind, also nicht eingebrannt für besseren Halt. Immerhin verhindern 2 Aufzüge unten daß die Eisen seitlich verrutschen könnten, hier an der Stelle der größten Belastung. Auf 12cm Hamenhöhe fangen die 40cm hohen, halbmondförmigen Lederpolster an. 2 Lederstege am Strangfleck und 2 Nägel oben und unten sorgen für eine stabile Verbindung zwischen Polster und Holz. Eine Naht auf den äußeren Polsterflächen muß später dazugekommen sein, sie verbirgt sich gut unter den üppigen Strangflecken. Die decken auf etwa 10x13cm das Polster gut gegen Reibeffekte durch den Strang ab. Die Zughaken nach Jäger sind im jeweils oberen Pratzenbereich eingefügt. Vorn bildet ein flaches Eisen für die Befestigungsmuttern ein stabiles Widerlager. Das Eisen am rechten Hamen des linken 3PKs ist jedoch mit Abstand und relativ lose angeschraubt, weil sich ein Ring darunter befindet. An dieser Stelle macht er mir nur als Möglichkeit Sinn, einen Aufhalter anzubringen. Ausgerechnet der Leinenführring am Peitschenköcher fehlt, die anderen sind vorhanden. Das Tragkissen ist von beiden Seiten einstellbar, eine sinnvolle Weiterentwicklung. Die Filzauflage unter dem Lederblatt dieses Kissens löst sich bei beiden Kumten in Krümel auf. Der obere Kumtverschluß ist nur beim linken 3PK noch original: ein ca. 3cm breiter, robuster Lederriemen, der durch eine Lederöse durch die er verläuft, verwindungsmäßig stabilisiert wird. Ein schmales Lederriemchen was hier angebracht ist bietet die Möglichkeit zB. die Leinen bei Nichtgebrauch hier festzubinden. Das rechte 3PK hat statt dessen am oberen Kumtwinkel nur einen schmalen, völlig unzureichenden Lederriemen, was ich nicht einmal als Notlösung akzeptieren würde. Beide Schwanzriemen sind vorhanden, nur dem jeweils falschen 3PK zugeordnet; die Verschnallmöglichkeit der Schwanzmetze verrät es, diese Schnalle muß nach außen, damit sie im Gespann erreichbar bleibt. Hier findet sich ebenso an der Gabelung zur flach genähten Metze bei beiden Geschirren ein schmales Lederbändchen welches ggf. Leinen und/oder Strangenden halten kann. Die Zugstränge bestehen aus 1,2cm dickem Hanfseil, welches kunstgerecht mit sich selbst verspleißt wurde. Die vorderen und hinteren Ösen sind jeweils mit Leder umnäht, damit das Seil selbst geschützt bleibt. In der Strangscheide sind diese Seile vorn mittels einem Lederband fixiert. Ein kunstvoll geknoteter Knopf sitzt auf dem Umschlag der Strangscheide und das davon ausgehende Lederband durchstößt den Umschlag und spleißt und wickelt sich in den Hanfstrang und hält ihn so. Die hinteren Enden dieser Stränge bestehen aus - wie ich sie nenne - Pseudowirbeln. Es fehlen die eigentlich danach folgenden Ketten mit denen ein landwirtschaftliches Gerät oder Wagen gezogen wurde. Während am rechten 3PK diese Pseudowirbel noch ganz sind (es wurden also Kettenglieder durchtrennt) sind beim linken 3PK die "Wirbel" selber abgekniffen und bedrohlich scharfkantig. Die Geschirre bestehen aus einfachen Überwürfen, die mit den Strangscheiden fest verbunden sind. An den jeweiligen Außenseiten sitzt eine Schnalle, die den eigentlichen Zweck der Verstellbarkeit nicht mehr erfüllen kann, weil die Spitze der Überwurfstrupfe mit einem Lederstich an der Strangscheide fixiert ist. Ein genieteter Durchlass für den Rückenriemen ist mittig unter dem Überwurf befestigt. Auf der jeweiligen dem anderen Tier zugewandten Seite ist der Überwurf auch fest mit der Strangscheide verbunden, hier mit einer sichtbaren, einfachen und hellen Sehnen-Ziernaht. Letztere ist auf der Außenseite unter der Schnalle versteckt. Beim linken Geschirr ist der Bauchriemen noch vorhanden, beim rechten hat man den Riemen komplett entfernt, die Strupfe einfach kurz geschnitten; es scheint , wie die Ketten sind sie einer anderen Bestimmung zugeführt worden. Die Strangscheiden sind innen (zum Partnertier gewandt) 38cm und außen 42cm lang, am vorderen Umschlag aufgedoppelt, es folgen unmittelbar danach der Bauchgurt mit 3cm, dann der Überwurf mit 5,5cm. Der Rest der Strangscheide schützt den Bauch des Tieres vor "Rupfen" durch die Stränge. Gewicht: 6,2kg (ein 3PK mit Geschirr)

 

Ebenfalls aus Oberfranken kommt das 3PK hier aus Reichenbach. Es wurde begleitet von zwei Stirnjochs. Die Gestaltung folgt den allgemeinen Empfehlungen zum Bau eines solchen. Die gebauchten, oben nach außen spitzen Hamen sind 72cm hoch, 2,5cm dick und 5,5cm breit. Der untere Kettenverschluß des Kumts aus Eisen ist links zum Schließen gemacht, das paßt gut es handelt sich um ein einzelnes, bestenfalls linkes 3PK für ein Team. Die Eisenschienen sind auch hier "nur" auf den Hamenaußenseiten aufgeschraubt und ohne jegliche Aufzüge um die Scherbewegung beim Laufen aufzufangen. Auf 18cm Hamenhöhe fangen die Lederpolster an, wie gewohnt mit 2 Lederstegen am Strangfleck und 2 Nägeln oben und unten befestigt. Die Naht, die das 4cm schmale Polsterabteil am Hamen vom restlichen Polster trennt ist zu 3/4 maschinengenäht (vermutlich vor dem Stopfen), das restliche 1/4 ist Handarbeit (vermutlich danach). Da dieses Stück am rechten Polster oben und am linken Polster unten ist, wurden diese Teile vermutlich auf Vorrat gefertigt und dann nach Bedarf benutzt. Das restliche Polster muß auch durch diese Öffnung befüllt worden sein, am Außenrand der Polster lassen sich keine diesbezüglichen Spuren nachweisen, der Außenrand des halbrunden Polsters besteht aus einer ununterbrochenen Maschinennaht. Welche Kräfte auf diese Polster einwirken, lassen sich erahnen, wenn man die Falten am eigentlich noch immer sehr prall gestopften linken Innenbereich sieht. Die Strangflecken (außen 11cm hoch, 9cm breit, innen 5cm hoch zwischen Polster und Hamen hervorschauend) sind mit Lederriemchen direkt am Polster verknotet (links unten leider kaputt). Zwei punzierte? Linien folgen dem Rand der Strangflecken im Abstand von 0,3cm und 1,5cm. Die handgeschmiedeten Zughaken nach Jäger haben tiefe Eindrücke auf Strangflecken und Polsteraußenseite hinterlassen. Sie sind wie üblich im jeweils oberen Pratzenbereich eingefügt. Vorn sind 6-Kant-Muttern und Unterlegscheiben als Widerlager verschraubt. Am oberen Ende der Polster befindet sich auf der Hamenaußenseite je ein Leinenführring. Der 15cm hohe Peitschenköcher am linken Hamen endet mit seiner Öffnung auf derselben Höhe. Das Tragkissen ist einseitig einstellbar, links das Schnallenstück, rechts die Strupfe. Das folgt der Original-Bauanleitung. Für ein Kumt das "von links" bedient wird wäre es andersherum besser. Die Filzunterlage ist auch hier in Auflösung begriffen. Der obere Kumtverschluß besteht aus einem 2,5cm breiten Lederriemen mit Lederöse in der Mitte. Der zum Schwanzriemen führende Gabelriemen wurde mit einer Strupfe verlängert.
Gewicht: 4kg

3PKs aus Rheinland-Pfalz

Das folgende Dreipolsterkumt - Paar aus Arnshöfen, Rheinland-Pfalz, fällt durch seine feuerrote Hamenfarbe, die augenscheinlich zu einem späteren Zeitpunkt aufgetragen wurde, auf. Dieses modische Detail wurde vor allem von der Sattlerei Völzing, Linden aufgegriffen, was bedeutet daß es auch heute noch viele alte Kumte in dieser Farbe in Hessen gibt. Das Kumt - Paar ist komplett mit Rücken- / Schwanzriemen und Überwurf. Die eigenartigen Zughaken und die Strangflecken sind nicht montiert. So gleich wie es auf den ersten Blick scheint sind weder Kummets noch Geschirre.
Fangen wir mit dem Kumt des linken Tieres an: die Hamen sind 67cm hoch, 5,5cm breit, 2,5cm dick und enden oben als nach außen zeigende Spitzen. Diese sind vorn mit mehreren kleinen (1cm) und einem großen (2cm) Ziernagel beschlagen. Unmittelbar darunter sind die hochovalen Schlitze (3cm x 0,5cm) mittig für den Verbindungsriemen, der leider nicht mehr vorhanden ist. Der Peitschenköcher am linken Hamen (ein Leder von 10cm x 10cm, halbiert, unten zugenäht und mit der Öffnung nach oben am Hamenholz angenagelt) sitzt so nah an dem Durchlass für den Verbindungsriemen, daß er diesen Schlitz unten auf einigen Millimetern verdeckt. Oben halten den Köcher zusätzlich 3 der kleinen Ziernägel. Wiederum unmittelbar darunter anschließend: der vorn angenagelte, sich um die Innenkante des Holzes nach hinten windende Arm des geteilten Rückenriemens, 1,8cm breit, 0,3cm dick und 32cm lang. Damit sind diese Lederteile sehr schmal gehalten; es handelt sich um vorher als Schnallriemen benutzte Strupfen, die jetzt nutzlosen Löcher sind noch sichtbar. Der rechte Riemen ist direkt am Hamen abgerissen. Auf dem Tierrücken werden der rechte und der linke Arm zusammengefaßt durch ein aufgedoppeltes Leder, 2x10cm lang, 4cm breit und 0,5cm dick (auch dieses Stück mit anderer Vornutzung wie 2 Löcher beweisen). Hier findet sich ein "B1" eingestanzt im Leder. Die eingefügte, passende Schnalle dient der Verbindung zum Schwanzriemen. Auf der gleichen Höhe wie der Rückenriemen am Hamen nach innen laufend angenagelt, ist am linken Hamen nach außen ein Leinenführring (5cm, Materialstärke 0,5cm) mit einer kleinen Lederschlaufe (2x5cm, 2cm breit) angebracht. Es ist der einzige an beiden Kumts und wirft die Frage auf, ob hier mit Stoßleine gearbeitet wurde. Wiederum unmittelbar unter dem Ansatz für den gespaltenen Rückenriemen tritt nach vorn zwischen Hamen und Seitenpolster der hinten angenagelte Riemen für das Tragpolster hervor. Ausgeleiert von 1,8cm auf 1,5cm breit zeugt er von der Belastung für die er eigentlich zu schmal ist. Es fällt auf, daß dieser Riemen bei beiden Kumten seitenverkehrt angebracht ist, hier also das Schnallende (16cm lang) links und die Strupfe (22cm lang) rechts. Das Tragpolster aus einer Lederplatte (13,5cm x 7cm) ist am Rand seiner Auflagefläche auf den Hals mit einem Wollstoff vernäht, zwischen dem Leder und diesem Stoff befindet sich eine Lage Filz. Die hinteren Enden des Tragpolsters sind stark aufgebogen, weil die Seitenpolsterspitzen damit interferieren. Die halbmondförmigen Seitenpolster sind bei diesem, linken Kumt 5cm höher angebracht wie bei dem des rechten Tieres. Die mit Stroh gestopften Lederpolster, 40cm hoch, 14cm tief und 7cm dick haben einen mittels Bindegarn und 4cm langen Stichen abgenähten, etwa 3,5cm dicken Wulst. Da die beiden schmalen Befestigungsriemchen (18cm lang, 0,7cm bzw. 1,2cm breit) pro Polster und die Nägel in den Spitzen des Polsters in diesem Wulst sitzen, liegen die Seitenpolster recht weit hinten und selbst von außen kann die Trennnaht zwischen Polster und Wulst gesehen werden. Die Außenfläche der Polster zeigt nicht nur die Abdrücke von Zugstrang und Strangfleck, sondern auch die beiden 0,8cm langen Schlitze, mit denen nur das obere Eck des Strangflecks auf dem Polster mittels Lederbändchen festgeknotet war. Auf etwa 36cm Hamenhöhe ist das untere Loch (1cm Durchmesser) für die Zughaken, 3,5cm darüber das obere. Entsprechend den Polstern befinden sich auch die Zugansätze hier 5cm höher als auf dem Kumt für das Handtier. Der untere Kumtwinkel wird mit einer Kette verschlossen, auch hier seitenverkehrt. Das 2cm breite Eisen das 19cm lang auf der Außenkante des Hamen mit 4 Senkkopfschrauben befestigt ist und am Ende 2 Aufzüge gegen ein Verrutschen hat läuft in einen 3cm langen Haken aus, hier links geschlossen und mit Kette (6 Kettenglieder à 4cm), rechts offen zum Einhaken.
Das Kumt für das rechte Tier ist einfacher gestaltet, naturgemäß fehlt außerdem der Peitschenköcher. Bei gleich hohen Hamen sind diese unterschiedlich dick und breit gestaltet: 7cm breit und der rechte nur 2cm dick. Die etwas größeren Schlitze (3,5cm x 0.7cm) für den Verbindungsriemen sind zumindest auf der linken Seite mehr zum Tier hin gearbeitet. Der geteilte Rückenriemen ist von seinen Dimensionen ähnlich (1,5cm breit, 30cm lang, 0,3cm dick), hier ist die Aufzweigung und der rechte und linke Arm aus einem Stück Leder, was prompt dazu führt, daß der linke an der üblichen Bruchstelle (dem Y) gerissen ist. Von hier bis zur Schnalle für den Schwanzriemen sind es 14cm, wobei die letzten 6cm mit einem passenden Leder aufgedoppelt sind. Der Tragriemen für das hier besser erhaltene Tragpolster ist, wie bei dem anderen Kumt, seitenverkehrt eingebaut, das Schnallende 18cm, die Strupfe 21cm lang. Wie oben beschrieben sitzt das untere Loch des Zughakens auf einer Hamenhöhe von 31cm und die Seitenpolster sind entsprechend 5cm tiefer angebracht. Die Verschlußkette unten ist ebenso seitenverkehrt montiert, der Rest des Kumts ist identisch mit dem oben beschriebenen.
Mit diesen Kumten kommen zwei schmale, einfache Überwürfe, 3cm breit, 0,4cm dick, das Schnallende 13cm (dreifach gelegtes Leder) und der eigentliche Überwurf 130cm lang. Ein Leinenführring ist auf der Strupfe auf 44cm bzw. 57cm Höhe mit einem kleinen Stückchen aufgedoppeltem Leder festgenäht und genietet. Der Überwurf der zum linken Kumt gehört ist passend mit zwei 4cm großen, ovalen Messingplättchen verziert. Dieser Überwurf wurde mindestens einmal repariert und die Strupfe ist unmittelbar an der Schnalle abgerissen. An beiden Enden der Überwürfe sind kleine eiserne Haken (nur scheinbar identisch, die des linken Geschirrs 5cm breit, die des rechten 4cm) angebracht, welche vermuten lassen, daß Zugketten benutzt wurden.
Der linke Schwanzriemen ist bis zur Gabelung der Metze 118cm lang, 3,2cm breit und 0,4cm dick. Gleich auf den vorderen 20cm ist er doppelt gelegt und geflickt mit 4 Nieten, quasi übergroßen Rundkopfklammern. Von der Gabelung bis zur eigentlichen Metze sind es 16cm, jetzt 2-geteilt. Die Metze besteht aus einem 3-fach gelegten, 45cm langen Lederriemen, der fortlaufend durch alle Schichten genäht wurde. Der rechte Schwanzriemen ist 125cm lang bis zur Gabelung und wurde vorn in die Schnalle gefaltet, weil er weit überstand. Auch hier beträgt der Abstand Gabelung -  Metze 16cm. Die Metze ist rund gearbeitet; um einen runden Kern (vermutlich das Bindegarn vom Seitenpolster) wurde ein 40cm langer, 3cm breiter Lederstreifen gelegt und die beiden Längsseiten dieses Leders fortlaufend vernäht.
Die Zughaken sind nicht montiert und kommen getrennt mit den ledernen Strangflecken. Letztere sind etwa 11cm lang, an der Hamenseite mit den beiden Löchern für die Zughaken 7cm hoch, an der Außenseite auf den Polstern 11cm hoch und 0,3cm dick. Die Zughaken bestehen aus 4 Teilen und können unterschiedlich zusammengesetzt werden, je nachdem wo sie hingehören und wie eine Lastverteilung gewünscht ist. Das größte Teil wird von hinten durch die passenden Löcher in den Hamen gesteckt und vorn vor 2 entsprechenden Metallplatten als Widerlager mit Sechskantschrauben fest angeschraubt. Dieses Teil bietet 3 Fächer für die eigentlichen Haken. Ein einfach von oben durchzusteckender Stift hält den Haken im gewünschten Fach, dient als Drehachse und wird selbst mit einem kleinen Splint fixiert. Um damit arbeiten zu können müssen die Köpfe aller Stifte oben sein und alle Haken so angebracht, daß sie nach oben offen sind. Durch die exzentrische Lagerung kommt unter Zug automatisch Druck auf die Seitenpolster.
Gewicht beider Kumts mit Zughaken: 7kg

3PKs aus Hessen

Auf dem Zugrindertreffen 2015 wurde uns dieses 3-Polster-Kumt vorgestellt, es kommt von Karli's Kuhschule aus Lehrbach, Hessen. Die Sattlerei Völzing in Linden hat es vor Zeiten hergestellt in seiner lokal-typischen feuerroten Farbe. Ebenso eindeutig die anders gebauten Zughaken (siehe vorstehende Kumte). Der untere Kumtverschluß wird in dieser Form häufig bei hessischen 3PKs gesehen.

Das nachfolgend abgebildete 3PK hat einen ledernen Verschluß unten und wunderschönes, rotes Holz als Hamen. Die sanft S-förmig geschwungenen, 74cm hohen, 7cm bzw. 6cm breiten, oben spitz zulaufenden, 2,5cm dicken Hamen sind unten abgerundet und mit einem 1cm Vorsprung in 6cm Höhe an der Außenseite versehen. Links findet sich an dieser Stelle eine nach oben umschlagbare Lederstrupfe (19cm x 2,5cm x 0,3cm) die in einen "Druckknopf" eingehakt werden kann. Rechts an der gleichen Stelle ein Lederriemen der als Öse auf die Hamenvorderseite genagelt ist. Durch diese Öse und um den Hamen herum auf dem Vorsprung ruhend ein Schnallriemen (60cm x 3,5cm x 0,5cm) der geöffnet werden kann, durch die Vorrichtung am linken Hamen aber auch in geschlossenem Zustand leicht eingehängt und fixiert werden kann. Vorteil zur Kette: bei Holzarbeiten bleibt das Kumt nicht im Gestrüpp hängen. Auf 32cm Hamenhöhe die untere Befestigung der Zugaufnahme, 4cm darüber die obere. Der nach vorn-oben offene Zughaken ist dem D.R.G.M. nachempfunden und hängt im unteren Bogen der Pratzen welche auf der Hamenvorderseite mit 6-Kant-Muttern auf knochenförmiger Eisenplatte befestigt sind. Relativ niedrig der Leinenführring; zwar ist auf beiden Hamenaußenseiten ein Loch für die Ringschraube zu erkennen, aber es ist nur noch der linke Leinenführring da und der sitzt 1cm tiefer als ursprünglich vorgesehen: auf 45cm Höhe. Auf 66cm Höhe die senkrechten Schlitze (3,5cm x 0,7cm) für den oberen Verschlußriemen, einen ledernen Schnallriemen (55cm x 3cm x 0,5cm und eingerissen). Die halbmondförmigen Seitenpolster sind 40cm hoch, 14cm tief und 6cm dick. Ihre Machart, der Strangfleck und die Befestigung an den Hamen entspricht den anderen 3PKs. 10cm unter der oberen Seitenpolsterspitze tritt nach vorn-oben zwischen Holz und Polster der lederne Halteriemen für das Tragpolster hervor. Hier ist sein anderes Ende zusätzlich bis auf die Hamenhinterseite geführt und dort festgenagelt. Beide Seiten entlassen Lederstrupfen, allerdings unterschiedlich: links 35cm x 2,5cm x 0,3cm, rechts 19cm (abgeschnitten) x 2,5cm x 0,4cm. Das rechteckige Trag- / Nackenpolster ist 16cm x 7,5cm mit 4 gerundeten Ecken und noch einer dicken, grauen Filzschicht angenäht. Ein Lederriemen mit 2 Schnallenden (11,5cm x 2,5cm) sorgt für beidseitige Einstellbarkeit. Der gespaltene Rückenriemen entspringt zwischen Holz und Seitenpolsterspitze nach hinten-oben. Auch dieser Riemen wird um die Hameninnenseite bis auf die Vorderseite gelegt und dort festgenagelt. Er endet in einem breiten Schnallende, 34cm x 4,7cm bzw. 2,3cm x 0,3cm. Gewicht: 3,95kg

 

Das folgende 3PK aus Braunfels in Hessen ( es wurde mit 2 Stirnjochs geliefert) hat ebenso einen unteren Verschluß aus einem Lederschnallriemen, welcher einfacher mit einem Druckknopf fixiert werden kann. Das Kumt wurde schon einmal "verschönert", die Hamen mit brauner Farbe, alle Metallteile mit silber. Die Hamen sind sanft geschwungen und haben für den unteren Verschluß eine 1,5cm Kante an ihrer Außenseite. Die Hölzer sind 70cm hoch, bis 7cm breit und 2,5cm dick. Über der Kante unten (auf 6cm Hamenhöhe) ist der Lederverschluß angebracht; rechts mit einer aufgenagelten Lederschlaufe (9cm doppelt gelegt x 2cm) auf der Hamenvorderseite und links mit einem Lederriemen (20cm x 2,5cm) der hochgefaltet am Druckknopf hält und somit auch eine Schlaufe bildet. Durch diese Ösen wird ein Schnallriemen gehalten, 60cm x 2,5cm x 0,3cm, der auch auf- bzw. zugeschnallt werden kann, aber wesentlich einfacher über das untere linke Hamenende geschoben und mittels Druckknopf festgehalten wird. Auf 27cm Hamenhöhe die unteren Befestigungslöcher für die Pratzen, 4,5cm darüber die oberen, rechts mit 4-Kant-Muttern, links mit 6-Kant-Muttern gehalten. Beide Zughaken weisen kleine handwerkliche Unterschiede auf, sind aber den D.R.G.M.-Zughaken nachempfunden und hängen im oberen Pratzenbogen mit der Öffnung nach vorn-oben. Das innere Ende des Strangflecks ist um die innere Hamenkante nach vorn umgeschlagen und festgenagelt. Außen liegen die Strangflecken den Seitenpolstern an, reichen weit nach hinten und sind mit je einem langen Stich an der oberen und unteren Kante des Strangflecks mit in sich selbst verknoteten Lederbändchen am Polster befestigt. Auf 60cm Hamenhöhe die senkrechten Schlitze (3cm x 1cm) für den oberen Verschluß des Kumts per Schnallriemen (70cm x 2,5cm x 0,4cm). Jeweils darüber und darunter auf der Hamenvorderseite ein 2cm großer Ziernagel. Die ledernen, halbmondförmigen Seitenpolster sind 42cm hoch, 14cm tief, 7cm dick, nach der üblichem 3PK-Form geschnitten und wie gewohnt am Hamen befestigt. 14cm unter den oberen Polsterecken tritt zwischen Seitenpolster und Hamenholz der Halteriemen (links die Strupfe, mindestens 31cm lang, 2cm breit, 0,4cm dick, rechts das Schnallende, mindestens 25cm lang) für das Tragpolster nach vorn aus. Das Ende dieses Halteriemens ist um die innere Hamenseite nach hinten geschlagen und dort fest genagelt. Das Tragpolster ist aus einer Lederplatte (15cm x 7,5cm x 0,3cm) hergestellt unter die mit fortlaufenden Stichen am Rand ein gleich großes Filzstück genäht ist. Von letzterem sind nur noch Reste vorhanden. Das Tragpolster ist mit seinen beiden Lederstegen (3cm x 0,5cm) verschieblich auf dem Halteriemen befestigt. Direkt oben an den Seitenpolstern treten nach schräg hinten zwischen Polster und Holz die beiden Arme des ledernen Rückenriemens hervor, hier links nach 30cm an der "Sollbruchstelle" schon gerissen, die rechte Seite nur fast durchgerissen, der 11cm lange Rest des Rückenriemen-Ansatzes endet mit einer Schnalle. Breit ist dieses Leder 4cm bzw. 1,9cm und 0,4cm dick. Gewicht: 3,45kg

3PK aus dem Museum Volkmarsen, Hessen

Die Bilder wurden uns freundlicherweise von Sonja Schmitt zur Verfügung gestellt.

Dreipolsterkumt aus Sämischleder
manchmal kommen unter einer dicken Schicht von Schmutz und Schweiß richtige Schätzchen zu Tage...
Dieses 3PK weist einige Besonderheiten auf. Neben der Lederbeschaffenheit sind das auch relativ große Seitenpolster an kurzen Hamen und ein recht großes Tragpolster aus mit Leinen umnähtem Filz. Die sanft geschwungenen Holzhamen sind 65cm hoch, 5,5cm breit, 2,5cm dick und enden oben und unten rundlich. Um jede Druckbelastung der Halshaut durch das Holz zu vermeiden sind im unteren Bereich der Hamen zusätzlich die hinteren Innenkanten deutlich abgerundet. Der untere Kumtverschluß muß ein Schnallriemen gewesen sein, senkrechte Löcher (3cm x 1cm) in den Hamen weisen darauf hin. Auf 29cm Hamenhöhe liegt das untere Loch (1cm groß) für die Zugaufnahme, 5cm darüber das obere. Hier sichtbar auch der innere Strangfleck-Anteil, um den Hamen innen nach vorn gelegt und festgenagelt. Weitere 9cm höher ein kleineres Loch (0,8cm) für die Lederbändchen der Leinenführringe; nur noch der linke Führring und seine Befestigung sind vorhanden. Auf 56cm Hamenhöhe wieder ein 3cm x 1cm senkrechter Schlitz für den oberen Kumtverschluß, auch als Schnallriemen, auch fehlend. Die halbmondförmigen Polster (42cm x 14cm x 8cm) sind aus Sämisch Leder und mit Filz bzw. Schafwolle gestopft. Die Form entspricht den bekannten 3PK-Polstern, nur sind zusätzlich an jedem Seitenpolster 7 Formhefte, deren Pauschen innen sichtbar sind. Auf der Außenseite werden diese Stiche durch ein aufgenähtes, Form angepaßtes, lohgegerbtes Stück Leder verdeckt, welches dem Polster gleichzeitig mehr Halt und mit einer weiteren Lage Filz mehr Schutz gewährt. Der Strangfleck wiederum besteht aus Sämisch Leder und ist mittels zweier Sämisch Lederbändchen am Polster befestigt. 12cm unter dem oberen Seitenpolstereck tritt zwischen Polster und Hamenholz der Halteriemen (auch Sämisch Leder) für das Tragpolster hervor. Das Schnallende ist mindestens 26cm lang, 2cm breit, 0,2cm dick und ohne Schnalle; die Strupfe ist mindestens 34cm lang und stellenweise 2,5cm breit mit punzierten Zierlinien entlang der Ränder. Das Tragpolster ist 21cm x 8cm groß und das dunkle Leder an den Stegen, die es freilaufend am Riemen halten, eingerissen. Das eigentliche Polster hier besteht aus einer Lage Filz, die mit Leinen umnäht an der Lederplatte rundum angenäht ist. Eine zum Rückenriemen bestehende Verbindung läßt sich nicht erkennen. Gewicht: 2,8kg

Dreipolsterkumt aus Kleinaga, Thüringen

An diesem 3PK fallen die aus unterschiedlichem Holz gestalteten Hamen mit ihren wunderschönen, sehr großen Polstern sofort auf. Es scheint, daß der rechte Hamen erneuert wurde, das Polster wurde dort relativ locker angebracht bzw. wurde eines Lederriemchen für diesen Zweck gar nicht genagelt. Dieser Seite entspringt auch ein minderwertiger Riemen für das Tragpolster, doch dazu später. Der linke Hamen wurde an der Kante des Seitenpolsters abgeschrägt, diese Sorgfalt fehlt rechts. Die Hamen sind 74cm hoch, zwischen 5cm und 5,5cm breit und 2,7cm dick. An der Außenkante des linken Hamens findet sich unten eine aufgedoppelte, mit 3 Schrauben befestigte Metallleiste, 2cm breit, 0,2cm dick, außen 18cm, innen 9cm; in ihrem Umschlag steckt ein 4cm großes, eisernes Dreieck welches die Verschlußkette hält, deren 2. Glied (von vieren) gebrochen und mit einem Notglied verstärkt ist. Rechts hat es an dieser Stelle ein gleich langes und gleich breites, 0,3cm dickes Eisenband was unten in einen Haken ausläuft. Auf 15cm Hamenhöhe fangen die Polster an, das unterste Lederriemchen zur Befestigung ist auf der Höhe auf der die Metallschiene außen endet. Auf 34cm und 40cm Hamenhöhe treten die Schraubenden der feststehenden Zughaken von hinten durch das Holz um vorn auf einem eisernen Gegenlager mit Sechskantmuttern fixiert zu werden. Dieses Gegenlager ist zwischen den Muttern aufgebogen und hält einen Eisenring (handgeschmiedet, Durchmesser 5,5cm) locker fest. 2,5cm darunter und darüber sind weitere Befestigungsleder des Polsters. Auf 48cm Hamenhöhe tritt nach schräg oben und vorn der lederne Riemen (3cm breit, 0,4cm dick) für das Tragpolster zwischen Seitenpolster und Holzhamen hervor, links die Strupfe (26cm lang), rechts das Schnallende (35cm). Dieses Schnallende wurde aus 2 Lagen sehr dünnem Leder (0,2cm dick) zusammengenäht und gestückelt und muß während der Zugarbeit Sorge bereitet haben: es verdreht sich selbst und ist zu dünn um dem Polster Halt zu geben, auch dieses dreht sich. Am Hamen geht unmittelbar oberhalb vom Austritt des Tragpolsterriemens ein Lederriemen umgeschlagen von vorn nach hinten schräg oben, es ist jeweils ein Arm des gespaltenen Rückenriemens. Nach 30cm vereinigen sich beide Arme zu einem 16cm langen, 4,5cm breiten Schnallstück. Hier ist die typische Schwachstelle eingerissen, sie wurde mit einem passenden Stück Leder aufgedoppelt, nur um wieder zu reißen, dann übernäht zu werden und wieder zu reißen. Auf derselben Hamenhöhe befindet sich ein Loch (0,6cm Durchmesser) durch welches mit einem Lederbändchen der Leinenführring angebracht ist. Rechts ist dieses Lederbändchen gebrochen (es ist weißgegerbt) und der Ring fehlt. Auf 64cm Hamenhöhe sind die hochovalen Schlitze (3,5cm x 1cm) für den Verbindungsriemen oben. Die Hamen enden oben sanft abgerundet ohne Spitze. Der Verbindungsriemen zeigt die massiven Belastungen die er aushalten muß; 2,5cm breit (in der Mitte ausgedehnt und nur 2cm breit), 0,4cm dick, 58cm lang zeigt er Risse, Brüche, verschlissene Löcher etc. Es fehlen die Lederösen die diesen Riemen aufeinander halten und so das Kumt stabilisieren. Das große Tragpolster ist 21cm x 9cm und mit 4-lagigem Filz (2cm dick) auf der Unterseite benäht. Die hinteren Ecken des Tragpolsters sind nicht eingekürzt und deswegen durch die oberen Seitenpolsterspitzen aufgebogen. Die halbmondförmigen Seitenpolster sind 42cm hoch, 14cm tief, 6cm dick und aus weißgegerbtem Leder gearbeitet. Sieben Formstiche sorgen dafür, daß die Polster flach bleiben. Nur die 3cm dicken Wülste vorn am Polster sind dunkel gegerbtes Leder und extra angenäht. Sie schonen den Tierkörper vor den Holzkanten der Hamen und scheinen auf der Außenseite in den dunklen Halbmond der Verstärkung überzugehen. Die Polsteraußenseite wird von einem passenden, dunkel gegerbten und deswegen widerstandsfähigeren Leder zu 2/3 bedeckt. Sein Rand ist mit sämischem Leder gesäumt, was dem ganzen ein elegantes Aussehen gibt. Die Lederbändchen, die die Polster an den Hamen halten, verlaufen durch den Wulst (die beiden inneren) bzw. auf der Wulst-Polster-Naht (ganz oben und unten). Die dunklen Strangflecken sind mit weißgegerbten Lederriemen mit dem Polster verknüpft und reichen maximal 1cm über die Lederverstärkung auf der Polsteraußenseite hinaus. Dahinter zeugen dunkle Druckstellen durch die Zugstränge auf dem weißgegerbten Leder von Gebrauch.
Gewicht: 4,45kg

Das folgende 3PK fällt auf, weil seine Polster aus Leinen sind, allerdings wurden die von einem Vorbesitzer hellgrau gestrichen. Die vielen Ziernägel auf der Hamenvorderseite entstammen vermutlich der selben Quelle. Die sanft S-förmig geschwungenen Hamen sind 76cm hoch, 6,5cm breit und 2,5cm dick. Man kann noch die Bleistiftanzeichung für die Verteilung der Ziernägel erkennen. Die eisernen Seitenschienen für den unteren Kettenverschluß sind 19cm lang und am oberen Ende zu einem Blatt geformt, am unteren Ende mit 2 Aufzügen die das Verrutschen unterbinden. 4 Senkkopf-Schlitzschrauben halten das Metall an der Hamenseite. Die Verschlußkette (22,5cm mit einer Kettengliedlänge von 4,5cm) ist im linken Haken fixiert, der rechte dient zum Einhängen. Auf 35cm Hamenhöhe befindet sich das unterste Loch der Zugaufnahme, 5cm darüber das obere. Ein Eisenbogen mit eingehängtem D.R.G.M.-Zughaken (nach vorn-unten offen) dient dem Zugansatz. Der Bogen tritt von hinten durch das Hamenholz, vorn durch eine knochenförmige Eisenplatte und wird dort mit Ziermuttern gehalten. Der rechte Haken hat seinen breiten Löffel verloren, der Abdruck im Strangfleck beweist, daß er dagewesen sein muß. Auf 52cm Hamenhöhe in beiden Seite ein 1cm großes Loch. Ein 2-3fach durchgeschlungenes Lederband, welches mit sich selbst verknotet auf dem Hamen festgenagelt ist, hält einen Eisenring (5,5cm Durchmesser, 0,6cm Materialstärke) für die Leinenführung. Auf 67cm Hamenhöhe beginnen senkrechte Schlitze (3cm x 1cm) die ursprünglich dem oberen, nun nicht mehr vorhandenen Verschlußriemen den Durchtritt erlaubten. Die halbmondförmigen, strohgestopften Seitenpolster sind 51cm hoch, der Grund sie hier einzuordnen, etwa 14cm tief und 7cm dick. Fest verbunden mit den Polstern auf der Außenseite Strangflecken (10cm x 15cm) aus Leder. Entlang ihrer Ränder eine punzierte Linie und an den Ecken zur Befestigung mit sich selbst verknotete Lederbändchen. Die Polster entsprechen in ihrem Aufbau genau der ledernen Version, auch ihre Anbringung an den Hamen ist identisch. Etwa 10cm unter dem oberen Polstereck entspringt zwischen Holz und Polster nach schräg hinten und außen der geteilte Rückenriemen. Links ist er an dieser Stelle gerissen und wurde hinten am Hamen angenagelt. Auch die "Sollbruchstelle", die Gabelung, wurde schon repariert. Der Rückenriemenansatz ist als Schnallende gearbeitet, etwa 50cm lang, 4,5cm bzw. 5,5cm bzw. 2cm breit und 0,3cm dick. An der selben Stelle (10cm unter dem oberen Polstereck) tritt nach schräg oben und vorn der Lederriemen für das Nackenpolster aus. Rechts die Strupfe 35cm x 2,5cm x 0,5cm, links das Schnallende 30cm x 2,5cm x 0,3cm. Das heute frei darauf verschiebliche, früher mit einem einzelnen Heft zusätzlich befestigte, lederne Nacken- /Tragpolster ist 16cm x 7cm mit vier abgeschrägten Ecken und unten aufgenäht eine doppelte Lage des Leinenmaterials vom Seitenpolster. Kurze Haare im Leinen steckend verraten, daß es so genutzt wurde. Gewicht: 4,35kg

modernes Dreipolsterkumt

Das folgende Paar 3PKs kam neu und unbenutzt, in der Tat noch nicht einmal ganz fertig gestellt. Die Hamen sind 78cm hoch, maximal 6,5cm breit und 2,5cm dick. Bauchig geschwungen enden sie oben in nach auswärts zeigenden Spitzen. Das Holz zeigt noch die Bleistift Markierungen für die verschiedenen Bauteile. Unten an der Hamenseite hat es die von unserem Schmied nach altem Vorbild angefertigten Eisenschienen für den Kettenverschluß. Sie sind mit 4 Spax-Schrauben am Holz befestigt und könnten noch aufgebrannt werden. Auf 35cm Hamenhöhe sind die Zugpratzen angebracht, die Sattlerei Piendl war so freundlich mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Die mitgelieferten Ketten sind die längsten für Pferde, für Rinder trotzdem zu kurz, weil die Zugabnahme bei 3PKs deutlich höher angebracht ist als bei einem Pferdekumt. Letztendlich haben wir beschlossen, die einfachen Zughaken im unteren Pratzenbogen mit der Öffnung nach unten-vorn einzubauen. Auf 65cm Hamenhöhe haben wir einen 3cm x 0,8cm senkrechten Schlitz gebohrt, der den Lederriemen (Schnallriemen 62cm x 2,5cm x 0,4cm) für den oberen Verschluß aufnimmt. Die Polsterform folgt nicht dem üblichen halbmondförmigen Muster: es gibt keine spitzen Enden. So stellen wir uns die Polster nach Freirich vor. Ihr Wulst ist etwa 3cm dick, das gesamte Lederpolster etwa 35cm hoch, 16cm tief und 6cm dick. Einen sehr großen Bereich nimmt auf der Polsteraußenseite der fest aufgenähte Strangfleck ein. Die Polster sind mit 2 an den Hamen angenagelten Lederbändern und je einem Nagel ganz oben und unten am Holz fixiert. Am oberen Ende der Polster (55cm Hamenhöhe) treten zwischen Polster und Hamen senkrecht nach oben die Lederriemen für den gespaltenen Rückenriemen und das Nacken- / Tragpolster hervor. Der Riemen für das Tragpolster ist 3cm breit, 0,5cm dick, am Schnallende 17cm lang und an der Strupfe 26cm. Das auf dem Riemen verschiebliche Tragpolster besteht aus einer Lederplatte, 10cm x 12cm x 0,3cm, und einem gleich großen, rundum angenähten Filz 0,5cm dick. Der gespaltene Rückenriemen ist als Strupfe angelegt, aus dem selben Material, allerdings 80cm lang, 3cm bzw. 4cm bzw. 2cm breit. Alle Riemen haben an ihrem Rand eine punzierte Linie. Gewicht: 4,8kg

Beim ersten Auflegen auf das Tier zeigt sich ein Fehler, den ich bei genauerem Hinsehen schon ehr hätte erkennen können: die Polster sind verkehrt herum an den Hamen angenagelt (unten statt oben) und somit sind die 3PKs unbrauchbar. Also die Polster abgemacht und mit der schmaleren Seite unten angenagelt und siehe da, so sitzt es viel besser. An die Arbeit ...

Ein neu hergestelltes 3Polster-Kumt für einen Bullen in Weissenborn, Hessen. Die alten Maße, Muster und Materialien wurden durch neue Ideen und am aktuellen Gebrauch geformte Verbesserungen ergänzt.

Verbesserungsvorschläge:

Häufig reißt der Lederriemen (Rückenriemen) der die Verbindung vom 3PK zum Schwanzriemen herstellt an der Gabelung. Dieses Stück ist bei alten Kumts immer wieder geflickt, zum Teil mit einzelnen Lederstreifen als Verstärkung, zum Teil in dem die ganze Gabelung mit Leder aufgedoppelt wurde oder die gerissene Verbindung mit einem Stück Draht wieder hergestellt wurde.
Ich hab hier eine andere Lösung ergriffen: der Rücken-/ Schwanzriemen endet in einem Ring und die sich verzweigenden Lederriemen an das 3PK sind in diesen Ring eingeschnallt. Dadurch entfällt die punktuelle Belastung des durchgehenden Y-förmigen Leders, ich kann die Riemen getrennt voneinander und gezielt passend stellen und weil der Ring aus Gummi ist (die üblichen Ringe von Ausbindern) gibt das ganze sogar etwas nach wenn das Rind den Kopf senkt.

Hand in Hand mit dieser Veränderung wurde der Rückenriemen mit den Haken jetzt an einer Schrauböse befestigt, die oberhalb der Pratzen in den Hamen sitzt. Die alte Anbringung unter dem Polster wurde aufgegeben, weil mit Öse und Haken eine Variabilität entsteht: sehr einfach kann das 3PK so mit einem Lastsattel kombiniert werden.

Ein weiterer Verbesserungsvorschlag - und den haben viele der neugebauten 3PKs schon: der Riemen für das Tragpolster sollte geteilt und mit 2 Schnallen versehen werden, damit rechts und links getrennt angepaßt werden kann. Sonst muß das Tier im Zweifelsfall mit einem schiefen Polster arbeiten, was zumindest an der ungepolsterten Seite, wo dann nur der Lederriemen aufliegt, zu Druckstellen führt.

Gerade hier beim Tragpolster ließe sich eine weitere Verbesserung vorschlagen, wenn man sich den Bildern unten vom Stellkumt aus Contwig widmet: mit einem ähnlich gestalteten Oberteil bliebe dem 3PK die Dreidimensionalität erhalten, gleichzeitig wäre es wesentlich robuster - allerdings auch teurer in der Herstellung.

typische Bruchstellen an den Hamen

Hier ein Bild der üblichen Bruchstellen an den Hamen: einmal der Schwachpunkt Faserverlauf und dann natürlich der Zugpunkt mit den Bohrlöchern. Es zahlt sich also aus auf die Qualität des Hamenholzes zu achten, bzw. im Schwerlastbereich mit Eisenverstärkungen zu arbeiten oder letztendlich - weil auch das Leder an seine Grenzen kommt - auf andere Anspann-Systeme umzusteigen.

Stellkumt aus Contwig, Rheinland-Pfalz

Das folgende Kumt läuft hier aus verschiedenen Gründen quasi außer Konkurrenz mit. Zum einen bin ich nicht sicher wo dieses sogenannte Stellkumt am besten einzuordnen ist, zum anderen ist es vermutlich ein Kumt für Mulis. Ein völlig identisches hängt an einer Stallwand im Ecomusée d'Alsace in Ungersheim, Frankreich. Wenn jemand genauere Informationen dazu hat, wäre ich dankbar für Hinweise! Ich führe es hier an, weil auch dieses Kumt in sich 3-dimensional beweglich ist und einen äußerst stabilen Eindruck hinterläßt.
Es besteht aus 3 Teilen: 2 gepolsterten Hamen und einem ledernen Oberteil. Die Hamen sind nur unten gerundet, oben enden sie gerade und sind ca. 57cm hoch. Das Holz ist oval zugerichtet, hat also eine Vorder- und Hinterkante, völlig anders als die Hamen, die wir von den Rinder-Kumten kennen. Es ist an der breitesten Stelle (dem Zugansatz) ca. 11cm, während es am oberen Ende nur 6,5cm bzw. unten 7cm sind. Die Rundung unten wird durch aufgebrannte und fest verschraubte Eisenplatten innen und außen verstärkt. 2cm vom Holzende entfernt findet sich hier der viereckig ausgesparte Durchlass (1,5cm x 3cm) für den unteren Kumtverschluß. Die prall gestopften Lederpolster sind anfangend im unteren Bogen innen am Hamen befestigt und an der Vorderkante 32cm, an der Hinterkante wegen dem Bogen etwa 37cm hoch. Die Polster sind rundum festgenagelt und diese Befestigung ist zusätzlich quer und an der Hinterkante mit einem schmalen Lederband unterlegt. Der Zugansatz befindet sich außen an der Stelle wo der Hamen mit seiner breitesten Stelle aus dem unteren Bogen in seine gerade Seite übergeht. Jeweils 2 Eisenösen (mindestens 1cm Materialstärke und ca. 7cm voneinander entfernt) halten je einen Ring unten und einen handgeschmiedeten Eisenhaken (10cm lang, nach außen offen) darüber. Zur Schonung des Kumts wurde hier ein Lederflicken als Strangfleck (16cm x 9cm und 0,4cm dick) untergelegt und festgenagelt. Links ist der untere Bereich dieses Schutzes weggebrochen. Am linken Hamen befindet sich just am oberen Ende des Polsters auf der hinteren Außenseite der Leinenführring. Rechts ist an dieser Stelle nur ein Loch zu sehen und dunkle Brandspuren zu beiden Seiten davon. Ebenso mit dem oberen Polsterrand abschließend befindet sich auf der jeweiligen Hamenaußenseite eine angeschraubte Schnalle. Das doppelt gelegte Lederband, was diese Schnalle hält, ist 7cm lang, 2cm breit und 0,4cm dick. Dieses Schnallstück dient der verstellbaren Befestigung des ledernen Oberteils. Am oberen Hamenende befindet sich ein stabiles, eisernes U (1cm Materialstärke, 11cm Schenkellänge, 5,5cm Breite), welches den 3,3cm breiten, 70cm langen und 0,4cm dicken Ledergurt des Oberteils aufnimmt. Er verbindet beide Hamen und liegt verstellbar verschnallt auf dem viel breiteren Halsleder, einem Lederstück 35cm breit, 12cm tief und 0,4cm dick. Seine seitlichen Enden sind durch das Aufnähen weiterer Lederteile (5cm breit und 13cm lang) gerundet und lassen sich perfekt passend über die oberen Hamenenden stülpen. Der Vorderrand dieses Halsleders ist um 2cm nach oben umgeschlagen und bildet so eine runde Kante. Der hintere Rand läuft gerade aus und hat zusätzlich in der Mitte zur Verstärkung für den Rückenriemen-Ansatz (Schlitz von 2,5cm x 0,3cm) ein halbrundes Leder aufgedoppelt. Die aufgenähten seitlichen Lederteile, die dieses Halsleder runden, sind mit Strupfen (2,5cm x 20cm) besetzt, die in die Schnallen auf den Hamen passen. Der untere Kumtverschluß fehlt, ein mitgelieferter Lederriemen und eine für den Zweck zu schmale Schnalle, lassen zwar eine lederne Lösung vermuten, nähren aber Zweifel ob sie original so dazu gehören. Sowohl Lederteile als auch die hölzernen Hamen tragen eingestanzte Nummern, lesbar vor allem 001 und 261, deren Zweck im Dunkeln bleibt.
Gewicht: 6,6kg

Vor- und Nachteile des 3-Polster-Kumt

Unbestreitbare Vorteile eines 3PK:

  • es werden keine Hörner vorausgesetzt
  • sehr elegante und tierschützerisch hochwertige Methode der Kraftabnahme
  • das Rind kann sich frei bewegen, in natürlicher Körperhaltung arbeiten und Insekten abwehren
  • relativ große Auflagefläche mit guter Druckverteilung
  • es können die selben Wägen wie für Pferde benutzt werden

Damit einhergehende Nachteile:

  • braucht eine gewisse Bemuskelung damit es gut sitzt
  • relativ komplizierte Herstellung
  • hoher Pflegeaufwand
  • die Einstellungen müssen dem jeweiligen Tier genau angepasst werden
  • durch systemimmanente Sollbruchstellen und einer Tendenz unter schwerer Last zu steigen ist diese Anpassung nicht für große Lasten geeignet, was sich in der Tatsache widerspiegelt, daß es keine großen 3PK's aus dem 20.Jahrhundert für Bullen/Ochsen gibt.