Stallwerkzeuge

Stallwerkzeuge

Besen

Unbeachtet stehen sie in der Ecke obwohl sie lebensnotwendig sind in jedem Stall. Meist macht man sich wenig Gedanken über diese Utensilien, dabei hat jede Art ihre eigenen Vor- und Nachteile und findet ihre Bestimmung in den Händen desjenigen, der sie täglich einsetzt. Sie sollten nicht zu schwer sein und wenn die Länge des Besenstiels dann noch zur Größe des Benutzers paßt wird die Arbeit damit zur Freude. Die vielfältigen Möglichkeiten bei den Borsten läßt ein breites Spektrum an Nutzungen zu. So muß man sich bei der Anschaffung schon über den späteren Einsatzbereich eines Besens klar sein. Roßhaar-Borsten zum Beispiel sind für den Stall viel zu weich, können aber in der Sattelkammer gut Dienst leisten.

Straßenbesen, Kehrbesen, Stallbesen

Kehrbesen mit stabilen Kunststofffasern

Diese Besen kommen in unterschiedlichen Breiten und haben entweder Kunststoff-Borsten oder solche aus Bahia-Fasern, auch Piassava genannt. Das Besenmacher Handwerk ist bei uns heutzutage fast ausgestorben. Früher wurden die Besen (und Bürsten) gern über den Winter gebunden wenn weniger landwirtschaftliche Arbeiten anfallen, während im Sommer der Vertrieb über Land stattfand. Die Besenrohlinge aus Hartholz, bevorzugt Buche, werden im handwerklichen Bereich zuerst flach zersägt, danach der eine Teil mit einer speziellen Bohrmaschine mit Löchern für die Borsten versehen. Dieses Holz wird mit den zum Falten vorbereiteten Bahia-Fasern bestückt. Die natürlichen Fasern sind sehr haltbare, dunkelbraune und zähe Bestandteile der Blätter der Strickpalme, Material das ursprünglich aus Bahia als Verpackung nach Europa kam. Widerstandsfähiger Kupferdraht hält die Borsten im Loch und die Knotung verschwindet, wenn der 2. Teil des Besenrohlings wieder aufgesetzt und beide Hälften verschraubt werden. Industriell hergestellt werden die Kunststoff-Borsten unterschiedlicher Härte einfach nur in das Holz oder einen Kunststoffkörper eingepresst. Erst ganz zum Schluß wird der idealerweise völlig gerade Stiel aus Buchenholz angebracht. Weil dieser Besen in verschiedenen Breiten hergestellt wird kann man ihn punktgenau für seinen Zweck passend besorgen.

Kehrbesen mit stabilen Kunststofffasern

Unser Besen ist schon lang in Gebrauch und wie man sieht biegen und verkrüppeln sich die Kunststoff-Borsten im Lauf der Zeit. Da zeigt sich auch gleich der Nachteil dieser Borsten: auf dem Futtertisch verloren werden sie mitgefressen und sie sind spröde genug um im Magen-Darm-Trakt unserer Rinder Probleme zu machen. Auch der Stiel ist verkehrt herum eingesetzt, aber so ist unser Besen immer eindeutig als Eigentum identifizierbar. Ja, manchmal geht er auf Reisen, bis in der Toskana war der treue Begleiter schon. Er eignet sich hervorragend für festgetretenen oder schwereren Schmutz (Mist, Steine, Kiesel, Erde, ...).

Strohbesen

Reisstroh-Besen

Statt Reisstroh wird hierzulande mittlerweile Sorghumhirse-Stroh (Sorgho-Besen) eingesetzt und die Anzahl der Nähte, welche die robusten, dicht gepackten Halme zusammenhalten, bestimmt die Härte des Besens. Eingesetzt vor allem bei Sand und Laub, hat er bei uns hier ein im wahrsten Sinne des Wortes ein Nischendasein.

Reisigbesen, Hexenbesen

Alter und neuer Reisigbesen

Diese Besen sind sehr leicht aber trotzdem robust und vor allem für Stroh und Heu geeignet, weil es sich nicht im Reisig verfängt. Vorwiegend Birken- aber auch Haselnußzweige werden im Winter gesammelt und dann zum Dutzend zusammengelegt und der Länge nach verdrillt. Gleiches funktioniert mit Bambussprossen. Mehrere dieser kleinen Häuflein werden dann mit widerstandsfähigem Weidezaun-Draht - dreifach gewickelt, verzwirlt und abgeknipst - unter größtmöglicher Spannung zusammengebunden. Noch eine oder zwei Lagen Draht und das Gebinde wird fest. Zum Schluß wird ein angespitzter Besenstiel in der Mitte eingetrieben; es tut auch ein Haselnuß- oder Espenast, solange er einigermaßen gerade ist. Ein Holzpflock oder ein Nagel seitlich eingetrieben sorgt dafür, daß sich das Reisig nicht um den Stiel dreht. Gute Besen erkannt man daran, daß das Reisig gleich lang ist und unten zusammengebunden geliefert wird. Alte, viel genutzte Besen bekommen eine "Richtung", sie haben kurze, abgebrochene Äste und längere, weiche. So taugen sie nicht mehr zum Quidditch-Spielen, fliegen sie doch nur noch schräg durch die Kurven. Höchste Zeit für einen neuen!

hölzerne Heugabel, Heuforke

hölzerne Heugabel aus Lorsch

Diese Stallwerkzeuge werden nur zum Einbringen, Lagern und Verteilen von Futter benutzt, nie zu etwas anderem. Heugabeln haben nur 3-4 (seltener 2) lange, schmale, gebogene Zinken, meist messerscharf an den Spitzen. Diese alten, hölzernen Heuforken waren naturgemäß nicht alle mit geradem Stiel. Noch wichtiger war, daß dieser lang und elastisch (gern aus Eschenholz) war und die Gabel selbst leicht, damit das lose Heu oder auch langhalmiges Stroh bzw. Garben auf den Wagen und später in die Scheune hoch gegabelt werden konnte. Wie wichtig diese Gabeln früher waren kann man an der namentlichen Zuordnung dieses handwerklichen Geräts erkennen. Voraussetzung für eine Energie sparende Arbeit ist eine für die jeweilige Person passende Ergonomie, besonders wenn die Gabel viel benutzt werden sollte. Wie immer spielt auch die Technik eine Rolle, die kleinen Tricks mit denen die Arbeit leichter wird. Man muß die gesammelten Halme möglichst in Längsrichtung anstechen, das spart die meiste Energie.

selbstgemachtes Schneidewerkzeug für beide Hände

Schneidewerkzeug für beide Hände

Dieses scharfe Werkzeug hab ich in der Maremma gefunden, selbst gebaut und gedacht um mit beiden Händen einen Siloblock oder Heu/Stroh zu zerschneiden. Werkzeuge wurden immer an den Bedarf vor Ort angepasst und "erfunden". Der hölzerne Griff besteht aus einem passend gewachsenem Ast, deswegen wird er kaum brechen.