Victory's Pankratz

Victory's Pankratz

Geschafft!

Am 12.5.2016 um 14.40 Uhr bin ich hereingepurzelt in diese Welt. Das müßt Ihr Euch einfach anschaun! Die Chefkuh war grad zufällig da, mit meinem Bruder Bill kuscheln. Fängt meine Zieh-Mama grad mit den ersten Wehen an. Ich sag Euch, da ist Geduld gefragt. 9 Monate konnte ich in dem Bauch treiben was ich wollte, Kickboxen zum Beispiel, wenn nebendran gemolken wurde. Jetzt in der Geburt muß ich stillhalten, da geht's eng her. 3 lange Stunden hat's gedauert, keinen Mucks hab ich gemacht. Zum Schluß ging es schnell und einfach. Da lag ich dann, platschnaß auf dem Gitterrost im Stall. Die Chefkuh hat die Fruchtblase von meiner Nase gezogen und mir einen Kübel eiskaltes Wasser übergeschüttet. Mann, was für eine Begrüßung. Das hab ich mir ganz anders vorgestellt! Also nee, so was ...

Pankratz im Stroh

Dann hat man mich erst mal groß angekuckt, schätze die haben Flecken und Tupfen erwartet. Den Gefallen hab ich ihnen nicht getan, ich bin genauso tief rotbraun wie die Hanna, meine große Schwester. Klar haben sie deswegen gemeint ich bin ein Mädchen. Wieder falsch. In einem großen Schubkarren wurde ich dann zu den anderen Kälbern ins tiefe Stroh gebracht. Das fand ich jetzt schon besser. Eingemümmelt in dickes, weiches, beruhigend riechendes Stroh kann ich

mich erst mal von den Strapazen erholen - hab ich gedacht. Pusteblume! Die Chefkuh hat nichts besseres zu tun als mich mit dem Stroh abzureiben, ich sag Euch, das kitzelt an den unmöglichsten Stellen. Sie ist noch nicht ganz fertig damit, da soll ich aus dem Tränkeeimer meine erste Milch saufen. Kinder, ich ringe noch nach Atem und soll 4 Liter Biestmilch schlucken?? Das ist nicht Euer Ernst, laßt mich erst mal zu Luft kommen.

Frisch umgezogen ins Zengermoos

Im Oktober 2016 ziehen wir um, die Kälberboxen in Stammham werden zu klein. Wir fahren zusammen im Anhänger, das will auch gelernt sein. Alles wackelt und ruckelt und klappert und wir sollen das Gleichgewicht behalten. Herrjeh, war mir schlecht als wir endlich wieder raus durften. Jetzt sind wir hier im Zengermoos und ruhen uns erst mal im tiefen Stroh aus. Derweilen schaun wir uns um und lernen die ersten Kollegen kennen. Bin ich froh, daß der Bill mit dabei ist, so ein großer Bruder ist unbezahlbar in einer neuen Welt!

schon wieder spazierengehen? Dezember 2017

Es ist März 2017 und weil ich das "Geführt werden" lernen soll (ich arbeite immer noch mit der Vier-Bein-Bremse und bring unsere Chefkuh regelmäßig zur Verzweiflung) gehen wir auf Erkundungstour: mal sehen was wir auf unserem Hof alles entdecken seit der Winter dem Frühling das Feld überläßt. Wir gehen hinten raus, am ausgegrabenen Pfosten vorbei. Die Hanna hat den Zeno durch den Zaun gejagt und das morsche Holzteil war sofort umgefallen. Pfosten? Eine immerwährende Arbeit, sagt unsere Chefkuh; ich fand es spannend ihr beim Graben über die Schulter zu schaun um zu sehen was sie da macht. Dann sind wir weiter gelaufen. Überall haben sich die Biber zu schaffen gemacht. Die Bäume sind angenagt, umgefallen, weggezogen und tiefe Löcher sind im Boden wo die Biberbauten eingestürzt sind. Hinten am Bach in der Kurve ist Loch an Loch - wie Schweizer Käse. Unter einer dünnen Humusschicht kommt bei uns gleich der Almboden, der ist weiß und besteht aus reinem Kalk - und immer wieder kleinsten Schneckenhäusern. Der Alm liegt auf dem Torfboden, das hängt mit seiner Entstehung zusammen: kalkhaltiges Wasser steht über dem Moor und verdunstet, der Kalk fällt am Moos aus und bildet Makaroni um die Pflanzenteile. Diese Strukturen zerfallen später zu Pulver. Die Schicht ist wasserdurchlässig - es staut nichts und gleichzeitig kann immer Feuchtigkeit nach oben diffundieren. Bei den Pfosten hat das zur Folge, daß wenn man sich durch den Humus gegraben hat, der Rest des Holzes einfach in den Boden gedrückt werden kann.

Das ist jetzt aber blöd ... wir sollen zusammen die Weidegründe erkunden. Weil das mit dem Nachlaufen am Führstrick nur bedingt funktioniert möchte unsere Chefkuh sehen ob ich mit meinem Bruder, dem Bill, zusammen besser mitgeh. Dazu hat sie das weiche Übungsjoch auf unseren Hals gelegt, die Bögen geschlossen und sich mit einer Tasse Kaffee daneben gesetzt um uns im Auge zu behalten. Aber wenn der Bill einen Schritt macht geh ich noch lange nicht, ja wo kämen wir denn da hin. Im Gegenteil, ich bin stur genug, daß der Bill - obwohl der Größere und Stärkere - letztendlich immer dahin geht wo ich will. Klingt gut, nicht wahr? Wir haben zudem schnell begriffen, daß wir uns nur geschickt drehen müssen und schon hängt das Joch unten dran. So ist es zwar nicht geplant, funktioniert aber trotzdem wenn wir zusammen loslaufen und anhalten wollen.

meine Anfänge als Houdini-Meister im April 2017
manchmal hilft mir auch mein Bruder
oh mei, noch schlafend aber mit Gips

Was für ein sch... Tag! Heute, es ist der 25. Mai 2017, hab ich mir glatt mein linkes Horn abgebrochen, ganz unten an der Basis, wo es doch wachsen soll. Die Chefkuh hat es gar nicht gemerkt, erst die Frieda hat Alarm geschlagen. Und dann haben mich die beiden Damen ins Reich der Träume versetzt. Wie ich wieder aufwach hab ich einen Gipskopf, alles war nass. Jetzt geht's mir wieder besser und ich bin wieder trocken hinter den Ohren; die Hedda, meine Ersatzmama, bewundert das silberne Panzerband, kann sich gar nicht satt sehen dran und kommt immer wieder zum Schnuffeln. Es tut mir auch nichts mehr weh, mensch, das Horn war fast 10cm nach hinten gebogen. Die Chefkuh hat tief Luft geholt und überlegt was sie wohl mit mir macht: für ein TLH bin ich zu einfarbig. Ein TLH ohne Hörner? Das ist auch 'ne Nummer. Aber kuscheln kann ich! Da krieg ich alle rum, wenn ich ihnen meine samtige Nase ins Gesicht steck und die Zähne aus dem Maul blitzen, die Augen mach ich noch ein bißchen zu und kuck dann honigsüß, das klappt immer!

Sturmtief1

Oktoberzeit heißt Herbststurm-Zeit. 2017 hat es uns auch erwischt. Die schöne alte Esche, in deren hohlen Stamm wir unseren Salzleckstein versteckt haben, der riesig große Baum fällt in den Orkanböen einfach um. Der ganze Boden hat gewackelt, jawoll ich habs gespürt! Als wenn der Baum mitgedacht hat: erst hat er einen von unseren Zaunpfosten in den Boden gerammt, da läuft jetzt die unterste Litze statt 30cm über dem Boden 30cm tief im Boden.

Dann hat sich der Baum elegant über die Mauer vom Misthaufen gelegt und alle kleineren Äste bis quer über den Hof geschlenzt. Immerhin, er ist einen halben Meter an unseren abgestellten Geräten vorbei gefallen. Wir werden die Ecke auszäunen, dann kann man die Weide wieder benutzen. Den Kleinkram haben wir schnell aufgeräumt, der große Stamm braucht anderes Werkzeug, da müssen wir ein bißchen Geduld haben. Ein Teil der Äste war im Misthaufen gesteckt und vergraben, die waren ganz warm beim Herausholen. Also wenn es im Winter mal richtig kalt ist, wär der Misthaufen der ideale Schlafplatz, wie Bodenheizung, bloß weich - und weiß keiner...

mindestens so rot wie die Hanna

Oktoberzeit heißt aber auch schnell noch das letzte hochgewachsene Gras abfressen bevor der Winter kommt. In der Altweiber-Sonne sehen wir, die Hanna und ich, rotglühend aus. Ein leuchtender Kontrast zum Grün, oder?

auf der Walz

 

Und noch ein Bild aus dem Oktober; ich bin mit der Chefkuh auf der Walz. Jedesmal zeig ich ihr wie ungern ich von zu Hause weg bin, nur wenn wir umkehren bin ich richtig gut drauf. Sie kratzt sich dann hinterm Ohr und sagt immer: "Das fehlt grad noch, daß ich Dich im Anhänger verladen muß, bloß damit Du heimlaufen kannst." Ich denk was Sturheit angeht bin ich ihr eins über.

das ist mein typischer, nachdenklicher Philosophen-Blick

Hier seht Ihr mich in einer typischen Pankratz-Pose: mein Philosophenblick. Warum schmeckt den anderen eine Brombeerranke genauso gut wie mir? Warum halten mich die Dornen nicht davon ab Brombeeren zu fressen? Warum wächst das nur hier? Könnte man das Gestrüpp ned überall wuchern lassen? Komisch, die anderen denken über so was nie nach.

Federn von unserer Schleiereule

Im Dezember 2019 hat die Chefkuh auf dem Scheunenboden einen Fund gemacht: Federn, weiß mit saftigem orange und deutlichen schwarzen Bändern. Wir haben erst mal überlegt von wem sie sind, weil da oben hausen einige fliegende Untermieter. Aber letztendlich haben wir beschlossen, das können nur Federn von unserer Schleiereule sein. Der Turmfalke hat seine noch ... Unsere Schleiereule ist fleißig und fängt auch in der Kartoffelscheune Mäuse. Wir sehen sie ab und an wie sie elegant und geräuschlos aus dem Tor geflogen kommt.

Manchmal finden wir auch die offiziellen Hinterlassenschaften unserer Schleiereule: Gewölle. Die Teile sind federleicht und beinhalten alles was nicht verdaulich ist für den Vogel, also Haare, Knochen, etc.

Eigentlich ist Winter, Dezember 2019

...und wo wir gerade dabei sind: hier hat es noch ein Bild von mir. Obwohl Winter ist scheint die Sonne herrlich und wir genießen das Bad in ihren warmen Strahlen. Draußen wächst allerdings nichts mehr, kein Gras, keine Blätter, schad. Der Vorhof dient uns also nur zum "socializing".

Blöd aber auch, die Chefkuh schaut grad her, da kann ich nicht aussteigen...

Das ist jetzt aber blöd, solange mich die Chefkuh anschaut kann ich hier nicht gut aussteigen. Nein, meine Kollegen würden mich nie verpetzen, nie! Wo sonst immer das große Gemuh anfängt wenn irgendetwas anders ist als normal, wenn ich aussteige ruft keiner. Vielleicht ist es ja schon fast normal, wenn ich wieder stiften geh.

Im September 2020 mit einem der Zäune die mich ned wirklich zurückhalten

Wieder einmal ist es September, wir befinden uns im Jahr 2020. Meine Hörner sind ganz schön lang geworden, oder? Vor mir der elektrische Zaun der mich genauso wenig hält wie das Gattertor oder die Aufstallung. Ich muß mal sehen ob ich das Video finden kann wie ich da drüber ausbüchse.

Bitte, bitte...

Ein "Bitte-Bitte" Bild von mir, so frag ich nach Karotten, Kastanien, Kartoffeln, Semmeln, Streicheleinheiten ... bitte, bitte halt. Es funktioniert fast jedesmal! Astrein!

meine Kuschelschnute - so wird mich die Chefkuh in Erinnerung behalten ...

Heute, am 29.10.2020, bin ich in den Anhänger gestiegen, der mich zur Regenbogenbrücke bringt. Meine Chefkuh wird mich vermissen. Sie hat immer gesagt ich sei ihr ADHS-Kind. Über alle Hindernisse bin ich mehr oder weniger elegant drüber gestiegen, aus den Stallabteilen bin ich regelmäßig ausgebüchst, wenn alle nach rechts gegangen sind hab ich immer erst mal inspiziert was links ist. Abends rannten alle von der Weide in den Stall zum Fressen, ich musste erst mal schaun warum alles frisch gestrichen war. Sie hat mir die Hanuta mitgegeben, damit ich heute Nacht nicht so allein bin.