Wie transportiere ich mein Rind?

Der Transport eines einfachen Mastrindes oder der eines wertvollen Zucht- bzw. Arbeitsrindes erfordert unterschiedliches Planen, z.T. andere Ausrüstung und für beide Fälle ein ernsthaftes Bemühen um Sicherheit.

Bitte nicht falsch verstehen, ich denke nicht, daß das Leben eines Mastrindes weniger Wert ist, aber wenn ein teures Zuchtrind oder ein gut ausgebildetes Arbeitsrind transportiert werden soll - und dann eventuell noch mehrere davon auf einem Transport - hat das eine andere Qualität und sollte mit der allergrößten Sorgfalt betrieben werden.

Der Kauf eines Viehtransporters

Die Sicherheit steht und fällt mit dem Kauf des passenden Equipments.

Natürlich ist es keine streng wissenschaftliche Aufgabe, trotzdem gibt es ein paar Dinge auf die man achten sollte. Wenn es um den Kauf eines Viehtransporters geht, prüfen die meisten Leute kurz ob alle Türen/Tore/Rampen auf und zu gehen, treten ein paar Mal gegen die Reifen und kritisieren den Preis.

Die engagiertere Variante wäre, erst mal unter den Transporter zu kriechen und sich die wirklich wichtigen Details vorzunehmen, insbesonders wenn es sich um ein gebrauchtes Teil handelt.

  • Funktioniert die Elektronik?
  • In welchem Zustand befinden sich die Bremsen, die Bremsseile?
  • Hatte der Transporter schon mal einen Unfall, ist er schon mal angeeckt?
  • Ist der Rahmen verzogen?
  • Wie sieht der Boden von unten aus?

Es gehört nicht viel dazu, diese Fragen abzuklären. Aluminium - Böden sind besser, haltbarer und leichter als Holz, aber auch rutschiger. Holz - Böden werden im Lauf der Zeit abgetreten, verrotten, brechen und müssen ersetzt werden. Trotzdem, wer nicht genau hinsieht wird von seinem Transporter gar nichts  wissen!

Hier geht es um die Luft

Luft ist wichtig, viel Luft vor allem, manchmal auch wenig. Im Winter und bei kaltem Wetter sind eine dichte Vorderseite und geschlossene Seitenwände bis zu 1,5m hoch sehr wichtig: wenn eine Ladung Rinder bei 0°C Außentemperatur unterwegs ist mit einer Geschwindigkeit von etwa 100km/h und das in einem offenen Transporter entspricht das einem Chill-Faktor von durchaus unter -30°C. Ein geschlossener Transporter hält die Temperatur im Inneren dann ehr bei 0°C. Wenn man also mit gesunden Rindern ankommen will, muß unbedingt die Luftzufuhr kontrolliert werden.

Bei heißem Wetter ist eine hohe Belüftungsrate wichtig. Jede Menge Lüftungsschlitze und Ventilatoren können die Rinder im Temperatur-Komfortbereich halten. Eine der heimtückischsten Gemeinheiten wäre eine Mittagspause in einem klimatisierten Lokal, während draußen die Rinder bei 37°C im Schatten in der Sonne stehen. Die Körpertemperatur eines Rindes, welches - mit anderen zusammengepfercht - unter diesen Bedingungen in einem noch dazu geschlossenen Transporter warten muß, erreicht sehr schnell einen lebensgefährlich hohen Bereich.

Wird also der selbe Transporter bei heißem und kaltem Wetter verwendet, sollte er sowohl geschlossene Seiten haben als auch Dachventilatoren und Luftschlitze, damit je nach Temperatur ein Ausgleich geschaffen werden kann.

Es geht immer noch um die Luft: Kohlenmonoxid bringt Tiere um! Ein Transporter sollte nie so konstruiert sein, daß Belüftungsschlitze in der Nähe des Auspuffs angebracht sind und somit die Abgase in das Innere hineingeblasen werden. Selbst wenn wir Menschen eine bestimmte Menge an Kohlenmonoxid vertragen, weil wir daran gewohnt sind, unsere Rinder haben keine Möglichkeit mit diesem Gas fertig zu werden. Wenn unsere Rinder zB. auf einer Ausstellung ankommen und weder Fressen noch Saufen wollen, dafür sich aber unruhig verhalten, vielleicht war es das schlechte Design des Transporters?

Die Inneneinrichtung

Die mittlere Trennwand ist ein kritisches Teil: sie sollte keine oder mindestens 20cm Bodenfreiheit haben, alles dazwischen ist hervorragend geeignet, einem Rind das Bein zu brechen.

Die mittlere Trennwand sollte durchgehend geschlossen konstruiert sein, mindestens bis auf eine Höhe von 1,5m. Wenn sich Bullen nicht sehen können, werden sie sich auf dem Transport auch nicht durch diese Trennwand hindurch gegenseitig bekämpfen und diese dabei womöglich beschädigen oder gar aufhebeln. Die Trennwand muß hoch genug sein, damit die Tiere weder teilweise noch ganz darüber springen können. Beim Versuch die Trennwand zu überwinden dürfen sie auch nicht mit ihrem Kopf oder den Hörnern hängenbleiben können. Das Gleiche gilt für das hintere Verladetor und die Rampe. Parallele vertikale Öffnungen und Schlitze sind die Hauptursache für abgebrochene Hörner. Breite Transporter sind auf die Fläche gerechnet kosteneffektiver als schmale und speziell für Longhorns sicherer. Transporter mit geschlitzen Aluminium Seiten sind das absolute "no go" für Longhorn-Rinder.

Eine ideale Möglichkeit seinen Transporter von innen kennen zu lernen ist einmal auf einem Feldweg anstelle der Rinder selbst mit zu fahren und sich ein Bild zu machen. Vielleicht läßt sich jemand auftreiben, der uns im eigenen Transporter fährt: es finden sich lose Teile, laute Geräusche und anderweitige Schwachstellen. Der Test ist mit Sicherheit die investierte Zeit wert. Wenige Transporter-Hersteller besitzen oder transportieren selber Rinder, ganz zu schweigen von einer Fahrt in ihrem eigenen Produkt auf der Ladeplattform. Ich trau den schönen Worten nicht! Sie wollen vor allem Transporter verkaufen und verfallen manchmal auf Billig-Lösungen. Wenn ich selber auf dem Boden herumrutsche kann ich sicher sein, daß es den Rindern auch so geht, besonders wenn Urin und Kot dazu kommen. Jeder Boden muß also tunlichst gegen Ausrutschen sichern: Gummi (evtl. genoppt) oder strukturiertes Aluminium oder einfach Querbalken die Halt geben.

Der Vorbereitungs-Check

Vor einer geplanten Fahrt muß ich den Reifendruck kontrollieren. Man sollte sicher stellen, daß der Reifendruck mit den empfohlenen Werten des Herstellers übereinstimmt, ehr noch einen Hauch darüber liegt. Letzteres bedeutet Spielraum für die Beladung und erlaubt daß die Reifen "kühler" laufen weil sie weniger walken. Es sollten auf alle Fälle Reifen in einem guten Zustand sein, tunlichst nicht älter als 5 Jahre, sie müssen eine Menge Gewicht tragen. Wenn ein Reifen platzt dann immer beim Gebrauch desselben, also während der Fahrt. Ein oder gar zwei einsatzfähige Ersatzreifen - und vor allem alle notwendigen Werkzeuge für einen Wechsel - sollten auf alle Fälle an Bord sein. Eine Taschenlampe wäre auch sinnvoll, Reifenpannen sind immer nachts!  Zwinkernd

Als nächstes geht man einmal herum um den Transporter: paßt die Anhängerkupplung, funktioniert die Schnappvorrichtung? Die Sicherheitsleine bei einem Anhänger muß die richtige Länge haben, nicht zu lang, sonst schleift sie auf dem Asphalt und reibt durch. Funktionieren alle Lichter? Das kann einen unliebsamen Aufenthalt durch einen neugierigen Polizisten verhindern ...

Das Schließen der Türen und Rampen

Letztendlich, nachdem unsere Rinder verladen sind, müssen wir sicher stellen, daß alle Türen und Rampen verschlossen und gesichert sind. Nur den Riegel vorschieben ist nicht genug! Also Sicherheitsstifte einhaken und ein Schloß anbringen. Ernsthaft, auch ein Band um den ganzen Transporter, durch alle Türgriffe und Rampenverschlüsse und ein Schloß daran wären nicht verkehrt. Wenn man wertvolle Tiere transportiert geht es nicht nur darum irgendwie von A nach B zu kommen, sondern es setzt professionelle Planung und reiflich durchdachte Umsetzung jedes einzelnen Details voraus. Leider gibt es Idioten auf dieser Welt, eine Menge Idioten und Gauner! Es könnte sein, daß einer beschließt, man kümmere sich nicht ordentlich um die Rinder und er hilft, indem er sie in die Freiheit entläßt damit sie im grünen Gras am Rand der  Autobahn ein bißchen fressen können. Ein ordentliches Schloß könnte ihn von dieser Idee abhalten ...

frei übersetzt nach einem Artikel von Darrol Dickinson für TLI

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