Milch

Milch - so viel die Kälber wollen!

Was die Kälberaufzucht betrifft werden viele unterschiedliche Tränkeschemata angepriesen. Die natürliche Aufzucht sollte der Handaufzucht als Vorbild gelten. Zur Zeit empfiehlt die Wissenschaft Milchtränke ad libitum - also so viel wie das Kalb saufen möchte - anzubieten. Das ist besonders für die ersten 3 Lebenswochen interessant (die Tiere sind hier zu jung um Hunger über mehr Festfutter auszugleichen).

Bisherige Argumente die dagegen sprachen:

  • eine Labmagenkapazität von maximal 2 Litern; alle Milch darüber hinaus staut in den Pansen zurück und fängt dort das Gären an, statt im Labmagen zu gerinnen; das verursacht nicht nur Durchfall sondern später auch erhebliche Verdauungsprobleme durch eine Verdickung der Pansenschleimhaut
  • knappes Tränken bedingt ein möglichst frühes Zufressen und Wiederkauen, so kann Milch gespart bzw. mehr geliefert werden

Warum also Tränken so viel die Kälber wollen - zumindest während der ersten 3 Wochen?

  • weil damit bessere Zunahmen erzielt werden können (statt 400g bei rationierten 6l Milch/Tag können auch 1000g bei ad lib Tränken erreicht werden)
  • wer mehr säuft, bildet mehr Reserven (wichtig im Fall einer Erkrankung)
  • die satten Kälber sind wesentlich lebensfreudiger
  • außerdem hilft dieses Tränkregime dem Energiemangel im Winter vorzubeugen

Unbedingt achten muß man bei der ad libitum Tränke:

  • daß von Geburt an so getränkt wird!
  • es darf kein Hungergefühl bei den Kälbern aufkommen (sonst wird zu hastig und zu viel gesoffen, durch dann unzureichende Gerinnung im überforderten Labmagen kommt es zu Durchfall)


Als Beispiel soll hier der Tränkeplan vom Landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Würtemberg dienen.

Eine Möglichkeit die enge Kuh-Kalb-Bindung nach der Geburt auch im Milchviehbereich zu nutzen stellt eine Veröffentlichung von J. Langhout und J.-P. Wagenaar vor. Auf einer Freilandtagung in 2005 wurde der übersetzte Artikel diskutiert.

Energiemangel der Kälber im Winter

Sollte das Kalb mit MAT (Milchaustauscher) groß werden, muß speziell im Winter bedacht werden, daß zum Temperaturerhalt der Körper mehr Energie braucht. Die muß das Kalb gefüttert kriegen.

Sinkende Außentemperaturen lassen den Energiebedarf teilweise um mehr als 30% steigen! Eine Faustformel lautet:

13g mehr MAT pro °C unterhalb von 20°C
 

Das heißt von einem hochwertigem MAT nicht nur die höhere Konzentration anrühren, sondern auch die Trinkmenge erhöhen (bzw. eine weitere Mahlzeit einfügen wenn es richtig kalt wird).

Zusätzlich, besonders im Iglo: keine Zugluft, keine Nässe und gute Isolation auch von unten! Eine nasse Einstreu kann nicht isolieren, also mindestens doppelt so dick einstreuen wie im Sommer ...

Viel Spaß mit den Zwergen!

Wie also geht's beim Kalb?

Das Kalb säuft erst mal Milch und die gehört in den Labmagen, dort befindet sich das Lab, ein Enzym welches die Milch dicklegt. Die Vormägen sind beim Neugeborenen zwar angelegt aber noch nicht wirklich funktionsfähig und schon gleich gar nicht voll ausgebildet. Der sog. Schlundrinnen-Reflex sorgt dafür, daß die abgeschluckte Milch am Pansen vorbei geleitet direkt in den Labmagen gelangt. Trinkt das Kalb schlecht und man fängt an einzuschütten, funktioniert dieser Reflex nur mangelhaft; die Milch landet im Pansen, dort fehlt das Lab, die Milch vergärt und es kommt zu Durchfällen. Gleiches passiert wenn man den Kälbern zu große Tränkemengen füttert. Man sagt der Labmagen kann maximal 2 Liter aufnehmen, alles darüber hinaus staut in den Pansen zurück; also statt 2 großer Mahlzeiten lieber 3 oder 4 kleinere. So ist es zumindest von der Natur vorgesehen und Mutterkühe wissen das. Nicht erwünschte Nebenwirkung von Milch im Pansen: die dortige Schleimhaut, die ausgerechnet jetzt in der Entwicklung ist und viele kleine Zotten bilden sollte, diese Schleimhaut verhornt durch die gärende Milch. Diese sog. Pansensäufer haben vor allem später ein Problem, wenn sie abgesetzt werden und der Pansen nicht richtig in die Gänge kommt.

Meine Kälber werden von der Mutter manchmal auch Oma oder Tante gesäugt und schaun sich von denen auch gleich jede Menge Wichtiges ab: was kann man fressen und wie muß man es fressen? Wie funktioniert das Tränkebecken? Da wird am Anfang viel probiert und mit der Zeit klappt das immer besser. Das früheste Wiederkauen hab ich am dritten Lebenstag gesehen, in aller Regel kann man es ab der ersten Woche beim Kalb beobachten.
Was für ein Gefühl das wohl ist, wenn der Futterbrei das erst Mal wieder hochkommt?